Christa Esterlus-Meller führt den Optiker in vierter Generation.

© KURIER/Anna-Maria Bauer

Wien-Währing
02/24/2016

Abriss geplant: Letzte Mieterin fürchtet um ihr Geschäftslokal

Hausbesitzer möchte Eigentumswohnungen errichten. Doch Optikerin weigert sich, auszuziehen.

von Anna-Maria Bauer

Minus 50 Prozent. Totalabverkauf wegen Hausabriss. Rote Sticker mit diesem Aufdruck kleben quer über die Fensterfront des Geschäftslokals Glaser in der Gersthofer Straße 59 in Wien-Währing. Der Sushi-Laden zwei Türen weiter hat bereits zugesperrt. Die Pächter des chinesischen Restaurants am Eck bekamen ihre Pacht vor Jahren nicht verlängert.

Denn der Hausbesitzer, die Wiener Privatbank, möchte das alte Haus abreißen und ein zweistöckiges Gebäude plus Dachgeschoß errichten. Darin sollen ein Erdgeschoßlokal mit 288 Quadratmetern, 15 Eigentumswohnungen sowie eine Tiefgarage Platz finden.

Doch ganz so rasch wie sich der Eigentümer das wünscht, wird der Hausabriss wohl nicht stattfinden. Denn es gibt noch einen weiteren Mieter in der Liegenschaft, den Optiker Meller. Und dessen Besitzerin hat nicht vor, auszuziehen. In ihr Auslagenfenster hat sie deshalb einen weißen Zettel geklebt: "Liebe Kunden! Ich bleibe noch weiter da."

Vierte Generation

Seit 1929 ist das Geschäftslokal im Familienbesitz. Christa Esterlus-Meller betreibt es in vierter Generation. Ihr Urgroßvater gründete hier ein augenoptisches Institut und stellte Brillen sowie Zwicker selbst her. Christa Esterlus-Meller steht seit mehr als 20 Jahren im Geschäft und hat all ihre Energie in den Optiker gesteckt.

Im Sommer trat die Wiener Privatbank erstmals mit einem Kaufangebot an sie heran. "Aber das war zu niedrig", sagt Esterlus-Meller. Die Optikerin ist sich zwar bewusst, dass 32 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht besonders viel Wert sind. Aber sie ist 54 Jahre alt. Sie hat niemanden, der ihr Geschäftslokal übernehmen wird. Und: "Ich bin zu alt, um mir noch einmal etwas aufzubauen."

Mit den roten Stickern hat sie bereits jetzt ihre liebe Not. "Viele fragen, ob es überhaupt noch Sinn macht, sich hier beraten zu lassen oder ob sie gleich woanders hingehen sollen", erzählt sie.

Auch wenn noch keine konkrete Forderung oder ein neues Angebot auf dem Tisch liegt, Esterlus-Meller hat ein flaues Gefühl. Vergangene Woche kontaktierte die Privatbank erneut ihren Anwalt. Wie das Gespräch ausging, weiß sie noch nicht.

Warten auf Bewilligung

Indes sind die Bauverhandlungen für die Liegenschaft in der Gersthofer Straße 59 abgeschlossen. Nun wartet das Unternehmen auf die Baubewilligung. Dann könnte theoretisch mit dem Abriss begonnen werden. Vorausgesetzt, die letzte Mieterin konnte bis dahin vom Auszug überzeugt werden.

Vor knapp einem Jahr hatte es das Haus bereits mit einer anderen Meldung in die Schlagzeilen geschafft. Sechs Personen hatten es damals besetzt. Sie verschanzten sich auf dem Dach, als die Polizisten gemeinsam mit Kollegen der WEGA das abrissreife Gebäude stürmten. Wenig später verließen die Besetzer das Haus jedoch wieder freiwillig.

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