Das AKH ist ein offenes Haus: Nur sieben Securitys wachen über die „Stadt AKH“, deren Haupteingang täglich 40.000 Menschen passieren
 

© APA/ROLAND SCHLAGER

Tatort Krankenhaus
02/07/2014

3000 Polizeieinsätze im AKH

Der Hausjurist des Spitals wünscht sich mehr Sicherheit durch ein eigenes Wachzimmer.

von Nihad Amara

Mittwoch, 14 Uhr: Rund um das Wiener AKH postieren sich 46 Kriminalisten. Sie haben jeden der 21 Ausgänge im Visier. Was wie ein Ernstfall klingt, ist nur der Auftakt für eine Exkursion durch das größte Spital Europas. Die Beamten stehen nicht vor dem „echten“ AKH, sondern vor einem maßstabsgetreuen Nachbau, der unter einer Glaskuppel in der Empfangshalle steht.

Den Tross begleitet Leopold-Michael Marzi, der Hausjurist des Spitals, der die Kriminalisten eingeladen hat. „Ich glaube, wir leben in Parallelwelten. Keiner weiß, wie der andere tickt“, betont er. Beamte aus ganz Österreich sind gekommen, um die „Welt des Krankenhauses“ kennenzulernen.

Das AKH ist eine Stadt in der Stadt. Mit 240.000 m² Grundfläche ist es halb so groß wie der Vatikan. „Wir sind Eisenstadt“, witzelt Marzi. Unter tags halten sich rund 14.000 Menschen im Spital auf, ungefähr so viele Einwohner hat die Landeshauptstadt.

„Wir sind Eisenstadt“

Für Marzi gibt es allerdings einen großen Unterschied: In Eisenstadt ist die Polizei ständig präsent, in seinem Haus nur im Anlassfall. Und die gibt es tagsüber fast stündlich: 3000 Polizeieinsätze registriert die AKH-Verwaltung pro Jahr. Es geht um Diebstähle, Befragungen, Suchtgiftdelikte, Vandalismus, Datenmissbrauch, verletzte Verdächtige, Drohungen, ungebetene Gäste im Haus und Fehlalarme.

Derzeit wachen nur sieben Securitys über die „Stadt AKH“. Zu wenig? In anderen Spitälern sind es nicht mehr: Die kleinere Uni-Klinik Innsbruck beschäftigt zwei Wachmänner und einen Portier.

In seinem Vortrag vor den Polizisten träumt Marzi von einer eigenen Inspektion, der „PI AKH“. Die Idee verfolge ihn schon lange. „Eigene Infrastruktur“, sagt er, „wäre für die Polizei von Vorteil“.

Mit dieser Begehrlichkeit ist Marzi nicht alleine. In den stetig wachsenden Wiener Außenbezirken wünscht man sich neue Wachzimmer, die ÖBB fordern welche für ihre großen Bahnhöfe, und auch am Landesgericht Wien würde man den in den 1980er Jahren gesperrten Posten gern wiedereröffnet sehen. Der Zeitpunkt dafür ist ungünstig. Außerhalb der Bundeshauptstadt werden 122 Posten zugesperrt. Wie viele es in Wien sein werden, ist noch geheim. Das Innenministerium muss sparen. Jener Kontaktbeamte, der Ansprechpartner für das AKH war, wurde wegrationalisiert.

Etage 17. Die Führung durch das AKH ist der Schlusspunkt eines Seminars zum Thema „Sicherheit in Krankenhäusern“, das von der Vereinigung Kriminaldienst Österreich veranstaltet wurde. Ein Guide erklärt, wie die Dermatologie aufgebaut ist. Es bräuchte ihn gar nicht, denn jeder kann auf die Station. „Früher konnte man hier zu jeder Tag- und Nachtzeit herumgehen“, erzählt der Hausjurist. Nunmehr sind auch Mitarbeiter sensibilisiert und fragen nach dem Grund des Besuchs. Leicht überall hinzukommen, ist aber gewollt. Das Wiener AKH ist ein „offenes Haus“. Menschen, die Hilfe brauchen, stehen hier im Mittelpunkt.

Freiheit und Sicherheit

Marzi hält nichts von Hysterie, sondern hat einen sehr pragmatischen Zugang. Zwar gebe es einen Grundsatzkonflikt:„Freiheit und Sicherheit lassen sich nicht vollkommen auf einen Nenner bringen.“ Das sei aber kein Grund, die Augen zu verschließen. Das AKH sei ein Spiegel der Gesellschaft. „Wenn es in Eisenstadt Kriminalität gibt, warum dann nicht auch hier.“

Die Kriminalisten inspizieren ein Drei-Bett-Zimmer. „Gibt es einen Tresor?“, fragt ein Ermittler. Die Kästen lassen sich sperren, lautet die Antwort. Sicher, sagt ein Kriminalist, ist das nicht. Doch Sicherheit kostet viel Geld. 12.000 Euro würde ein einziger einbruchsicherer Kasten verschlingen – Geld, das den Kliniken fehlen würde.

So offen gehen wenige Spitäler mit dem Thema um. Für Krankenhaus-Betreiber sei es ein Tabu, sagt Richard Benda, der Präsident der Vereinigung Kriminaldienst. Da kaum Datenmaterial existiere, sehe niemand das Problem und damit auch keinen Handlungsbedarf. „Zu glauben, dass das Spital eine kriminalitätsfreie Zone ist, ist ein Irrglaube.“

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