Chronik | Wien 13.03.2018

120 Soldaten vor Botschaften

Bewachte Botschaften © Bild: EPA/CHRISTIAN BRUNA

Seit Mitte 2016 bewacht das Bundesheer gefährdete Top-Diplomaten.

Bis zum 11. März 2018 kurz vor Mitternacht, galt die Bewachung von Botschaften in Wien als ein eher ruhiger, dafür gut bezahlter Job für Soldaten des Bundesheeres. "Einen Angriff mit anschließendem Schusswaffengebrauch gab es bis dato noch nicht", betont Heeressprecher Michael Bauer.

Dabei werden jene 120 Männer und Frauen, die insgesamt neun diplomatische Einrichtungen und ein Dutzend weitere Objekte in sechs Wiener Bezirken sichern, in ihrer zweiwöchigen Ausbildung durch die Polizei auch auf das Schlimmste vorbereitet.

Neben dem Umgang mit Pfefferspray und der Pistole Glock 17, berichten Beamte des Verfassungsschutzes über mögliche Terror-Bedrohungen. Denn schon zum Start der Assistenzleistung für die Polizei Mitte 2016 war den Verantwortlichen klar, dass die Bewachung von terrorgefährdeten Botschaften wie der USA, Israels, Frankreichs oder Ägyptens auch ein gewisses Gefahrenpotenzial mit sich bringen kann. Deshalb tragen alle Soldaten nicht nur Waffen, sondern auch eine Stichschutzweste unter ihren Hemden. Das österreichische Sturmgewehr StG 77 bleibt bei der Bewachung von Botschaften übrigens im Spind. "Für Einsätze dieser Art wäre es auch unbrauchbar, weil es für Schüsse auf die Distanz ausgerichtet ist", sagt Bauer.

Die Wachsoldaten versehen jeweils mehrere Tage Dienst und haben dann zwei Tage frei. Gearbeitet wird im Schichtbetrieb, das heißt zwei einem Objekt zugeteilte Kräfte wechseln sich im Tages- und Schichtdienst ab. Zur Verwendung kommen ausschließlich Berufs-, Zeit- und Milizsoldaten, keine Grundwehrdiener.

Verstärkte Bewachung

Am Montag verkündete Verteidigungsminister Mario Kunasek, der den bei dem Messer-Angriff verletzten Korporal bereits am Krankenbett besuchte, dass die diplomatischen Objekte nun verstärkt bewacht werden sollen. Für die kommenden Tage wurde eine doppelte Besetzung angeordnet.

Zudem muss der Generalstab des Heeres nun analysieren, ob der attackierte Wachposten optimal vorbereitet und ausgerüstet war. "Wir wollen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, nachdem ein Soldat fast gestorben wäre. Deswegen wird der Fall genau angeschaut", betont der Heeressprecher.

Eine mögliche Änderung, die relativ rasch umgesetzt werden könnte, wäre die Einsatzkräfte vor diplomatischen Einrichtungen künftig auch mit schweren Kugelschutzwesten oder Helmen auszustatten.

Das Analyseergebnis der hochrangigen Offiziere soll bereits in den kommenden Tagen vorliegen.

( kurier.at ) Erstellt am 13.03.2018