Chronik | Welt
06.05.2017

Wird ein Junge aus Aleppo Schwedens neuer Zlatan?

Die Geschichte eines Flüchtlingsjungen, der das Talent zum Fußballprofi hat, bewegt derzeit ganz Schweden. Und manche sehen schon Parallelen zu einem ganz Großen.

Auf dem Portal von transfermarkt.de steht unter Mohammed Ali Rubi Kweder: Geboren am 19.Jänner 2001, Position: Sturm, aktueller Verein: Helsingborgs IF U17, Nationalität: Schweden.

Der junge Mann spielt mittlerweile auch für das schwedische U-16-Nationalteam und seine Geschichte bewegt das ganze Land. Vor wenigen Jahren war Mohammed noch in Aleppo zu Hause. Dann riskierten seine Eltern mit Mohammed und seinen vier Schwestern die Flucht aus der vom Krieg verwüsteten Stadt - weg von Bombenangriffen und Tod. Über die Türkei gelangte die Familie nach monatelanger Odysee ins schwedische Skelleftea.

Fußball hat Mohammed auch schon in Syrien gespielt. Für einen Verein namens Al-Ittihad. Durch den Krieg war aber an organisierten Sport nicht mehr zu denken, erzählt er dem Fußballmagazin 11 Freunde. Dann musste er das Fußballspiel ganz bleiben lassen - für drei lange Jahre.

Angekommen in Schweden begann Mohammed wieder mit dem Fußballtraining und ließ sich auch vom schwedischen Winter nicht vom Spielen abhalten. Der damals 12-Jährige hatte so gut wie nichts verlernt und dann begann so etwas wie ein Fußballmärchen. Über zwei kleine Klubs gelang ihm der Sprung zu Helsingborgs IF, eine Top-Adresse im schwedischen Fußball. Dann ging es Schlag auf Schlag. Schwedische Staatsbürgerschaft für Mohammed und Einberufung ins U16-Nationalteam.

Mittlerweile sind Talentescouts auf Mohammed aufmerksam geworden. Auch Rekordmeister Malmö FF soll den jungen Kicker bereits beobachten. Und das erinnert an einen anderen Jungen mit Migrationshintergrund. In Malmö wurde 1981 ein Kind geboren, dessen Vater aus Bosnien und Herzegowina stammte, seine Mutter aus Kroatien. Sie waren nach Schweden ausgewandert, um der tristen wirtschaftlichen Lage auf dem Balkan zu entfliehen. Der Name des jungen Schweden, der Fußballer werden sollte: Zlatan Ibrahimovic.

Der spielt aktuell für Manchester United, erzielte 62 Tore für das schwedische Nationalteam und wurde elfmal als schwedischer Fußballer des Jahres geehrt. Nach seinem letzten Spiel für die Nationalmannschaft sagte Ibrahimovic: „Ich komme aus diesem Ort, den die Leute Ghetto Rosengård nennen, eroberte Schweden und machte es zu meinem Land. Auf meine Weise. Ich bin Schweden. Ein großes Dankeschön an die Schweden – ohne euch hätte ich meine Träume niemals verwirklichen können. Ihr werdet immer in meinem Blau-Gelben Herzen sein. Ich liebe euch.“

Das große Vorbild für Mohammed heißt aber nicht Zlatan Ibrahimovic, sondern Mahmoud Dahoud, ein Deutsch-Syrer, der für Borussia Dortmund spielt.

Die Geschichte von Mohammed Ali Rubi Kweder wird in Schweden als gelungen Integration angesehen. Die Flüchtlingsdebatte war im skandinavischen Land nach dem Terroranschlag von Stockholm wieder schärfer geworden.