Die Kaaba ist der heiligste Schrein in Mekka

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Chronik | Welt
09/09/2016

Was Sunniten von den Schiiten trennt

Der Streit um die Nachfolge des Propheten führte zu einer Feindschaft bis heute.

Die weltweite islamische Religionsgemeinschaft teilt sich in mehrere Gruppen, von denen die der Sunniten mit etwa 90 Prozent die mit Abstand größte ist. Rund acht Prozent der Gläubigen sind Schiiten. Es gibt mehrere Staaten, in denen Schiiten die Mehrheit stellen, dazu zählen der Iran, Aserbaidschan und Bahrain. Im Libanon sind rund 40 Prozent der Bevölkerung Schiiten, im Jemen 37 Prozent, in Saudi-Arabien knapp zehn Prozent. Im Irak zählen etwa zwei Drittel der Bevölkerung zu den Schiiten.

Erbfolgekriege

Die Spaltung der Muslime und ihre Feindschaft bis heute erfolgte nach dem Tod des Propheten Mohammad im Jahr 632 nach Christus. Die muslimische Gemeinde konnte sich auf keinen gemeinsamen Nachfolger einigen. Eine kleine Gruppe vertrat die Ansicht, dass Ali Ibn Abi Talib, der Cousin und Schwiegersohn von Mohammad, der rechtmäßige Nachfolger sei, da nur ein direkter Blutsverwandter des Propheten dessen Erbe antreten könne, da dieser göttlich legitimiert sei. Sie nannten sich die Schia Ali, die Partei Alis. Die Mehrheit der Gemeinde forderte allerdings die Wahl eines neuen Anführers aus dem Stamme Mohammeds, der kein Familienmitglied des Propheten sein musste. Diese Gruppe, die als Sunniten (Sunna bedeutet Tradition) bezeichnet wird, setzte sich durch und wählte mit Abu Bakr einen der engsten Mohammed-Vertrauten zum neuen Kalifen.

Es sollten noch zwei weitere sunnitische Kalifen folgen, bis Ali im Jahr 656 zum neuen Anführer bestimmt wurde. Seine Regentschaft hielt nur fünf Jahre. In den ersten großen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden muslimischen Parteien um die Herrschaft wurde er im Jahr 661 ermordet. Sein jüngster Sohn Husain versuchte in der großen Schlacht bei Kerbala im heutigen Irak zwischen Sunniten und Schiiten die Macht wiederzuerlangen. Husain kam ums Leben, er gilt seitdem als einer der größten schiitischen Märtyrer. Während die Sunniten die weltliche Führung manifestierten, die von den Schiiten nicht anerkannt wurde, entwickelten sie selbst das Konzept der geistigen Führung durch einen Imam. Dieser musste in direkter Folge aus der Familie Mohammads und Alis stammen. Der Bezug auf Ali geht bei den Schiiten so weit, dass sie auch das Glaubensbekenntnis, die Schahada, abgeändert haben. Dort wird Mohammad als Prophet Gottes und Ali als Freund Gottes bezeichnet. Für die Sunniten Blasphemie, da das Wort Gott nicht verändert werden darf.