Chronik | Welt
09.11.2017

Venedig: Zwist nach 526 Euro teurem Mittagessen

Warum Venedigs Bürgermeister asiatische Touristen als "Bettler" beschimpfte.

Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro hat drei asiatische Touristen beschimpft, die ihm wegen einer hohen Restaurant-Rechnung einen Protestbrief geschickt hatten. Der in Großbritannien lebende Professor chinesischer Abstammung, Luke Tang, protestierte, weil er und seine Eltern am Samstag in einem Restaurant nahe dem Markusplatz 526 Euro für ein Mittagessen zahlen mussten.

Austern nicht bestellt - aber gegessen

Tang berichtete, dass ihm der Lokalinhaber Gerichte serviert hatte, die er nicht bestellt habe, darunter 20 Austern und drei Portionen Fisch, ebenso Hummer. Als der in Birmingham dozierende Professor sich über die hohe Rechnung beschwerte, antwortete der Lokalinhaber, dass die Rechnung den konsumierten Speisen entspreche. Der Restaurantinhaber habe sie geprellt, weil sie kein Italienisch sprachen und die Speisekarte nicht verstehen konnten. "Ich erwarte mir keine Entschädigung, ich möchte lediglich hervorheben, dass ein derartiges Verhalten seitens von Restaurantinhabern dem Ruf Venedigs im Ausland schadet", schrieb Tang.

"Sie essen und trinken und behaupten dann, sie sind geprellt worden"

Bürgermeister Brugnaro reagierte pikiert. Er bezeichnete die Touristen als "Bettler". "Sie essen und trinken und behaupten dann, sie sind geprellt worden, weil sie Italienisch nicht kennen. Wenn man nach Italien kommt, muss man Italienisch lernen, auch ein wenig Venezianisch zu können, wäre nicht schlecht", sagte Brugnaro in einem TV-Interview unverblümt.

"Die Touristen haben Hummer und Austern vertilgt und nichts auf dem Teller gelassen. Laut dem Kellner haben sie nicht einmal Trinkgeld gelassen. Den Brief schicke ich ihnen zurück. Wer nach Venedig kommt, muss wissen, dass er in Venedig ist und dafür etwas ausgeben muss. Touristen, ihr seid in Venedig willkommen, doch ihr müsst ausgeben! Ihr solltet auch Trinkgeld für die Personen hinterlassen, die für euch arbeiten", so der Mitte-rechts-Bürgermeister.