Der Papst aus Lateinamerika versteht unter Grausamkeit anderes.

© REUTERS/ROMEO RANOCO

Vatikan
02/06/2015

Der Papst auf dem Weg zum "vatikanischen Ernst August"

Franziskus findet das Schlagen von Kindern okay, wenn sie ihre Würde behalten.

von Susanne Bobek

Der argentinische Papst sorgte am Freitag das erste Mal für aufgeregte Empörung. In zornigen Postings wurde Franziskus selbst abgewatscht. "Und Päpste schlagen, ist das auch in Ordnung?", "Gibt es die gerechte Ohrfeige?"

Ein Bericht des Guardian über die Generalaudienz am Mittwoch hat das Entsetzen ausgelöst. Das Thema war die Rolle des Vaters in der Familie. Franziskus im Wortlaut: "Ein guter Vater versteht zu warten und zu vergeben, und das aus ganzem Herzen. Gewiss, er kann auch entschlossen zurechtweisen: Er ist kein schwacher Vater, kein nachgiebiger, sentimentaler. Der Vater, der zurechtweisen kann, ohne zu demütigen, ist der gleiche, der zu schützen weiß, ohne sich zu schonen. Einmal hörte ich in einem Treffen von Eheleuten einen Vater sagen: ,Manchmal muss ich die Kinder ein bisschen schlagen –, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen.‘ Wie schön: Er hat einen Sinn für Würde. Er muss bestrafen, er macht’s auf rechte Weise, und dann geht es normal weiter."

Die Prügelstrafe ist in 39 Staaten verboten, unter anderem in Österreich. In den USA erlaubt das Gesetz Eltern, ihre Kinder zu schlagen, solange die Gewalt "vernünftig" eingesetzt wird.

Das Thema Gewalt in der Familie beschäftigt Franziskus seit Langem. Er kennt aus Buenos Aires die Unterschiede zwischen einem leichten Klaps und echten Prügeln. Doch seine Verteidiger blieben am Freitag eher ungehört. Der Tenor: Es gibt kein "würdevolles Schlagen". Jegliche Gewalt gegen Kinder sei vollkommen inakzeptabel. Auch die katholische Jungschar distanzierte sich.

Der heilige OpiPapst-Pressesprecher Federico Lombardi verteidigte Franziskus: "Der Papst hat nicht dazu eingeladen, Kinder zu schlagen. Wie ganz richtig beobachtet wurde, zeigt der Papst gegenüber Kindern immer große Zuneigung und Zärtlichkeit." Ihm ging es darum, "jemandem beim Wachsen und Reifen zu helfen", schrieb ein anderer Pressereferent in einer eMail an den Guardian. In der Zeit fragte man sich, ob Franziskus dabei sei, zum "vatikanischen Ernst August" zu werden. Katholiken sollten sich nicht wie die Karnickel vermehren und dem, der seine Mutter beleidigt, eine reinhauen. Der Titel: "Die Mär vom heiligen Opi".

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