Die Trauer um Philip Seymour Hoffman ist groß. Das Heroinproblem, das die USA seit Kurzem haben, rückt ins öffentliche Bewusstsein

© Reuters/CARLO ALLEGRI

Drogen
02/05/2014

USA von Heroin überschwemmt

Der Tod von Philip Seymour Hoffman stößt die Amerikaner auf ein Massenphänomen

von Susanne Bobek

Philip Seymour Hoffman starb vermutlich durch eine Überdosis Heroin. In seinem linken Arm steckte noch die Nadel. In seiner Wohnung fand man 72 Beutel Heroin, 49 noch versiegelt und 23 geöffnet. Ace of Spades und Ace of Hearts, Pink-Ass und Herz-Ass heißen die Sorten, die oft mit dem sehr starken Schmerzmittel Fentanyl gestreckt sind. Heroin kostet in New York nur sechs Euro, im Gegensatz dazu kostet das Schmerzmittel Oxycontin, ein Opiat, auf dem Schwarzmarkt 40 bis 100 Dollar.

Ob sich der Oscarpreisträger mit reinem oder gestrecktem Heroin den goldenen Schuss gesetzt hat, wird sich erst nach der Obduktion herausstellen. Es ist auch egal. Hoffmann wurde nur 46 Jahre alt.

Nicht egal ist den Amerikanern, dass sie der Tod des genialen Schauspielers an ein neues, altes Problem erinnert. In den großen und kleinen Städten an der Ostküste gibt es immer mehr Heroinsüchtige. Jeden Tag sterben in den USA 19 Menschen an Drogen. Der Heroinkonsum hat sich in den letzten beiden Jahren dramatisch erhöht. Die Zahl der Überdosis-Opfer in New York stieg zwischen 2010 und 2012 um 84 Prozent. 382 Menschen waren das.

Philip Seymour Hoffman soll in New York ein Begräbnis im engsten Familien- und Freundeskreis erhalten. Eine größere Trauerfeier könnte es irgendwann später geben. Seine langjährige Lebensgefährtin Mimi O’Donnell, 46, und die drei gemeinsamen Kinder Cooper, 10, Tallulah, 7, und Willa, 5, werden von Hollywood-Größen wie Cate Blanchett getröstet. Mimi dürfte Philip Seymour Hoffman erst im Herbst verlassen haben. Da war er rückfällig geworden, nachdem er 23 Jahre clean gewesen war.

Vier Verdächtige

Die New Yorker Polizei hat ihre Drogenfahnder in Marsch gesetzt und vermeldet prompt die Festnahme von vier Verdächtigen, die dem Schauspieler den Stoff geliefert haben könnten. Dabei bekommt man Heroin an jeder Ecke. Erst in der Vorwoche wurde eine Mitarbeiterin von McDonald’s in Pittsburgh verhaftet, die am Drive-in-Schalter Heroin in den Boxen von Happy Meals verkaufte. Die Kunden bestellten einfach „Spielzeug“ und bekamen Stoff.

An der Grenze zu Mexiko haben die US-Behörden im Vorjahr 1855 Kilo Heroin beschlagnahmt. In der Bronx wurde ein Drogenlabor ausgehoben, die Säcken waren auch mit „Government Shutdown“ beschriftet. Die Droge breitet sich auch im Mittleren Westen aus, wo die begehrten Schmerzmittel Oxycontin, weil sie so schwer zu bekommen sind, schon bis zu 100 Dollar kosten. Dieses in der Szene Hillbilly Heroin genannte Medikament hatte aber wenigstens den Vorteil, dass die Wirkung immer gleich war. Bei gestrecktem Heroin weiß man dagegen nie. Heroin greift das zentrale Nervensystem an, auf ein blitzartiges Hochgefühl folgen Ruhe und Unbeschwertheit, je nach Qualität wirkt es zwei bis fünf Stunden. Danach kommen die Entzugserscheinungen. Der Junkie muss die Menge immer weiter steigern.

Vermutlich wurde das auch Philip Seymour Hoffman zum Verhängnis.

Hoffmans größte Erfolge

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