Chronik | Welt
25.02.2018

Türkischer Präsident sagt zu Mädchen: "Soldaten weinen nicht"

Erdogans Umgang mit einem Kind in Uniform löst heftige Debatten aus. Schimpft er oder tröstet er?

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat während einer Rede auf einem Kongress seiner Partei AKP in Kahramanmaras ein Mädchen in Soldatenuniform auf die Bühne geholt und es gefragt, ob es Märtyrerin werden will.

Darüber berichten die regierungskritische türkische Zeitung Cumhuriyet und die Nachrichtenplattform Haberdar.

Dem Kind, dem wohl vor Aufregung die Tränen gekommen waren, erklärte er: Soldaten weinen nicht. "Wenn du fällst, werden wir dich mit einer Fahne zudecken, bereit für alles, richtig?", sagte Erdogan.

Falsch übersetzt

In den Erdogan-kritischen sozialen Netzwerken wird der Präsident gescholten, seine Verteidiger meinen, er habe das nie so gesagt. Er habe das weinende Mädchen auf die Bühne geholt und es tröstend geküsst und dann erst gesagt, Soldaten weinen nicht.

Die türkische Gemeinde in Deutschland und wohl auch in Österreich bleibt gespalten. Am Sonntag wünschten Erdogan-Freunde und -Gegner einander schwere Krankheiten, weil sie den Sultan verteidigen oder beschuldigen.

Bleibt die Frage, warum kleine Mädchen Soldatenuniformen tragen müssen?

Offensive in Syrien

In seiner Rede verteidigte Erdogan die Offensive im nordsyrischen Afrin. Die Türkei habe das Recht, ihre Grenzen zu schützen.

Türkische Truppen hatten vor einem Monat eine Offensive auf Afrin begonnen. Das Gebiet wird von der YPG kontrolliert. Die Türkei sieht in der Miliz den syrischen Ableger der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und bekämpft sie.