Chronik | Welt
11.04.2018

Teure Suche nach Tengelmann-Chef

Verschollen am Matterhorn. "In einer Gletscherspalte könnte er noch leben", sagen Schweizer Bergretter.

Karl Erivan Haub, geschäftsführender Chef des Handelsriesen Tengelmann, zu dem der Textildiskonter Kik und Obi-Baumärkte gehören, wird seit Samstag am Matterhorn vermisst. Der 58-jährige Extremsportler wurde zuletzt beim Aussteigen aus der 3820 Meter hoch gelegenen Seilbahn zum Klein Matterhorn gesehen. Ab da verliert sich seine Spur.

Die Familie des Zwillingsvaters, der seit 1989 verheiratet ist, hat offenbar sehr viel Geld für die Bergretter gezahlt, die trotz schlechten Wetters das hochalpine und schwer zerklüftete Gelände durchkämmen. Hubschrauber konnten am Mittwoch nicht eingesetzt werden, man hofft auf ein „Wetterfenster am Freitag“, sagt ein Sprecher der Polizeistation Zermatt.

 

Die einzige realistische Hoffnung, den Vermissten noch lebend zu bergen, tut sich auf, wenn er in eine Gletscherspalte gestürzt ist. Nur dort könnte er bei Temperaturen um minus 15 Grad mehrere Tage überleben. Die engsten Angehörigen, die in Zermatt eingetroffen sind, sollen auch deutsche Rettungsspezialisten für die Suche engagiert haben. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Karl Erivan Haub hat für die „ Patrouille des Glaciers“ trainiert. Das traditionelle Skitourenrennen findet Mitte April statt. Deshalb war es für seine Frau Katrin auch nicht ungewöhnlich, dass sich Haub alleine auf die Tour begeben hat. Als er um 16 Uhr nicht zurück war, wurde Alarm geschlagen. Sein Handy habe am Samstagabend das letzte Signal abgegeben, berichtet die italienische ANSA.

Der Unternehmer hatte dem Familienimperium Tengelmann in den vergangenen Jahrzehnten seinen Stempel aufgedrückt. Der in Tacoma im US-Bundesstaat Washington geborene Sohn des kürzlich verstorbenen Gründers Erivan Haub hatte Ende der 1990-er Jahre die Führung übernommen und Tengelmann drastisch umgebaut. Tengelmann ist eines der weltweit bedeutendsten Handelsunternehmen. Heute gehören zur Unternehmensgruppe Tengelmann 73 Beteiligungen, die einen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro erwirtschaften und mehr als 215.000 Mitarbeiter beschäftigen.