Der Kinderschaender (links): Ein Gemälde der verstorbenen Maria Lassnig

© APA/ROBERT JAEGER

Schweiz
10/17/2016

Kinderschänder bald frei, weil er Therapie ablehnt

"Justizirrsinn" regt auf. Trotz hohen Rückfallrisikos kommt ein Pädophiler frei.

von Susanne Bobek

Der 43-jährige Schweizer William W. ist therapieresistent. Der Mann kooperiert nicht. Er hält sich für gesund. Seine mehrfachen Verurteilungen führt er auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurück. Für Pädophil hält er sich nicht. Ein Gutachter sagte vor Gericht: Man sei nach 239 therapeutischen Einzelsitzungen "keinen Zentimeter" weiter gekommen.

Im August 2006 vergewaltigte William W. ein achtjähriges Mädchen. Er wurde dafür zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht ordnete die stationäre Therapie in einer geschlossenen Anstalt an, aber eben nicht die Verwahrung. Dass W. nicht therapierbar war, wusste man damals bereits von einer früheren Verurteilung.

Als das Amt für Justizvollzug des Kantons Solothurn im Juli 2014 die Verlängerung der stationären Therapie beantragt, lässt William W. dagegen Beschwerde einbringen. Am 16. September dieses Jahres entschied die Beschwerdekammer: Eine Verlängerung der stationären Therapie lasse sich "nicht rechtfertigen". Laut Strafgesetzbuch dürfe eine Maßnahme nur dann verlängert werden, wenn damit die Gefahr des Täters gemindert werden könne. Das sei bei William W. nicht der Fall, da eine Therapie bei ihm nichts bringe.

Das Gericht entscheidet: Der mehrfache Kinderschänder wird freigelassen – weil er die Therapie verweigert.

Jetzt steht die Schweiz kopf. Der Tagesanzeiger spricht von einem "Justizirrsinn". Denn mehrere Gutachter warnen vor dem hohen Rückfallrisiko des Mannes. Aber wenn eine stationäre Therapie aufgehoben wird, darf der Täter laut Schweizer Strafgesetzbuch höchstens noch zwei Monate in Haft zurückbehalten werden, denn William W. hat seine Strafe ja längst gebüßt.

Im November ist er frei

Das heißt: Der mehrfache Kinderschänder kommt spätestens im November frei.

Das Solothurner Obergericht hat für die Zeit nach der Entlassung von William W. eine "engmaschige Bewährungshilfe" angeordnet, die auch "eine Überwachung und Kontrolle" umfassen soll. Damit will man verhindern, dass William W. erneut ein Kind missbraucht. Doch Experten zweifeln an der Wirksamkeit der Maßnahmen. "Ein solches Setting ist mit einem enormen Aufwand verbunden", sagt Marc Graf, Direktor der Forensisch-Psychiatrischen Universitätsklinik Basel dem Tagesanzeiger. "Und es funktioniert praktisch nie."

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