Chronik | Welt
30.07.2017

Schüsse in Konstanz - Zwei Tote nach Streit in Disco

34-jähriger Iraker schoss nach Streit Türsteher nieder. Dabei handelte es sich um eine persönliche Auseinandersetzung, "nicht um eine islamistisch motivierte Tat", hielten die Behörden fest.

Die Todesschüsse von Konstanz, bei denen in der Nacht auf Sonntag ein Mensch getötet wurde, gehen auf eine persönliche Auseinandersetzung zurück. Es handle sich "nicht um eine islamistisch motivierte Tat", sagte der Staatssekretär des deutschen Bundeslandes Baden- Württemberg, Martin Jäger am Sonntagabend bei einer Pressekonferenz.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Täter, ein 34-jähriger Iraker, Sonntag früh einen Türsteher der Diskothek erschossen. Der später im Krankenhaus verstorbene Schütze war zunächst mit Mitarbeitern der Diskothek in Streit geraten. Dann fuhr er nach Hause, holte ein Sturmgewehr und schoss damit schließlich den Türsteher nieder. Dabei wurden zwei weitere Menschen schwer verletzt.

Auch Polizist verletzt

Bei einem anschließenden Schusswechsel wurde der Angreifer schwer verletzt, er starb später im Krankenhaus. Auch ein Polizist wurde bei dem Schusswechsel verletzt, alle Verletzten waren aber nicht in Lebensgefahr.

Laut dem Polizeipräsident der am deutschen Ufer des Bodensees gelegenen Stadt, Ekkehard Falk, wurde wohl Schlimmeres verhindert. Durch ein neues Einsatzkonzept der Polizei seien so bezeichnete Erstinterventionskräfte schnell an Ort und Stelle gewesen, sagte Falk am Sonntag. Dadurch sei wohl verhindert worden, dass mehr Menschen zu Schaden kamen.

Nach Eingang der Notrufe seien rasch elf Einsatzwagen bei dem Lokal gewesen. Nach Angaben des Experten Andreas Stenger vom Landeskriminalamt nutzte der Mann eine US-Kriegswaffe vom Typ M16. Das Sturmgewehr sei die Standardwaffe der US-Streitkräfte. Woher der Mann die Waffe hatte, war zunächst unklar.

Täter war Schwiegersohn des Betreibers

Der Täter war nach Angaben der Polizei der Schwiegersohn des Betreibers der Diskothek. Er war der Polizei wegen verschiedener Delikte bekannt, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Der Mann habe seit längerer Zeit in Konstanz gelebt und sei kein Asylbewerber, hieß es seitens der Polizei.

Beziehungstat eines Einzeltäters?

Die Motive für die Tat waren zunächst unklar. Möglich sei eine Beziehungstat, hieß es bereits am Vormittag bei der Polizei. Die Beamten gingen außerdem schon früh von dem Angriff eines Einzeltäters aus.

Ersten Ermittlungen zufolge schoss der Täter gegen 4.30 Uhr in der Diskothek um sich. Dabei seien eine Person getötet und drei schwer verletzt worden.

"Die Diskothek war rammelvoll"

Ein Augenzeuge hatte erzählt, dass ein Täter mit einer Maschinenpistole wahllos auf die Gäste der Diskothek geschossen habe. "Die Diskothek war rammelvoll. Ich schätze, dass mehrere hundert Menschen da waren", sagte er. Er selbst habe nur einen Täter gesehen und sei sofort mit Freunden geflüchtet. Andere Besucher hätten berichtet, es sei noch ein weiterer Angreifer an der Tat beteiligt gewesen, die mehrere Minuten dauerte.

Sowohl der Zeuge als auch die Polizei berichteten, dass zahlreiche Gäste nach den Schüssen das Gebäude in Panik verlassen und sich verschanzt hätten. Konstanz liegt unweit der Schweizer Grenze; gerade am Wochenende halten sich auch viele Schweizer in der Stadt auf.

(Anmerkung: Artikel um 18.20 Uhr mit neuen Ermittlungsergebnissen aktualisiert, islamistischer Hintergrund kann ausgeschlossen werden).