Chronik | Welt
12.11.2016

Schlepper geben Benzingemisch "zur Beruhigung"

Deutsche Ärzte vermuten einen Zusammenhang zwischen schweren Lungenentzündungen bei Bootsflüchtlingen und menschenverachtendem Vorgehen von Schleppern.

Deutsche Ärzte vermuten in einigen Fällen einen Zusammenhang zwischen schweren Lungenentzündungen bei Bootsflüchtlingen und menschenverachtendem Vorgehen von Schleppern. Münchner Mediziner berichten in der Fachzeitschrift Lancet von drei Fällen, in denen lebensbedrohliche Lungenentzündungen wahrscheinlich durch das Trinken von Benzin verursacht worden seien.

In einem Fall soll dies auch tödlich gewesen sein. Schlepper gäben Menschen auf der gefährlichen Bootsfahrt über das Mittelmeer in einigen Fällen Benzinmischungen, um sie ruhigzustellen.

Den Wissenschaftern um Christoph Spinner und Wolfgang Huber vom Uni-Klinikum rechts der Isar in München sei es nach Befragungen von Dolmetschern und Patienten sowie gemeinsamer Auswertung von drei Patientenfällen gelungen, den mutmaßlichen Zusammenhang erstmals zu beschreiben, teilte die Technische Universität München (TUM) mit.

Beteiligt waren Wissenschafter des Klinikums rechts der Isar, des Städtischen Klinikums München und des Jamaica Hospitals New York. Mit der Veröffentlichung wollen die Mediziner nach eigenen Worten Ärzte in der ganzen Welt für diese Problematik sensibilisieren. Denn die Symptome wie Fieber und Luftnot ähnelten zunächst denen einer "normalen" bakteriellen Lungenentzündung. Auch mit Röntgen- und Computertomographie-Aufnahmen ließen sich Ursache und Gefährlichkeit der Erkrankung nicht feststellen. Außerdem träten die Symptome oft erst nach Wochen auf. Die Sprachbarriere zwischen Geflüchteten und Ärzten mache es zusätzlich schwierig, einen Zusammenhang herzustellen.