Firefighters (L) transport a gondola after it crashed with a ferry boat at the Grand Canal in Venice August 17, 2013. The accident resulted in the death of a German tourist, with other passengers injured, reported local media. REUTERS/Manuel Silvestri (ITALY - Tags: TRAVEL MARITIME DISASTER)

© Reuters/MANUEL SILVESTRI

Italien
08/18/2013

„Schiffsschlacht“ in Venedig

Ein tödlicher Gondelunfall heizt die Debatte um den zunehmenden Bootsverkehr an

von Alexandra Uccusic

Nach dem Gondelunglück auf dem Canal Grande, bei dem ein deutscher Tourist um Leben kam, herrscht in Venedig große Aufregung über das Verkehrschaos auf den Kanälen. Die Zeitung La Repubblica sprach von einer täglichen „Schiffsschlacht“ : „Der Canal Grande ist ärger als eine Autobahn geworden“, heißt es in der Zeitung.

Ein 50-jähriger Deutscher hatte am Samstag mit seiner Frau und seinen Kindern eine Gondelfahrt auf dem Canal Grande unternommen, als das Boot mit einem Vaporetto (Wasserbus) zusammenstieß. Die Urlauber und der Gondoliere fielen ins Wasser; der 50-Jährige wurde zwischen dem Wasserbus und einem Pier zerdrückt. Laut Medien hatte er sich zuvor schützend über seine kleine Tochter geworfen. Die Dreijährige erlitt eine Gehirnerschütterung, die Ehefrau und die beiden Söhne blieben unverletzt.

Der Vaporetto-Kapitän gab an, er habe die Kontrolle über sein Schiff verloren, als er versuchte, im dichten Verkehr Gondeln und Wassertaxis an der Rialtobrücke auszuweichen.

Nach dem Unfall wurden Forderungen nach besseren Kontrollen auf Venedigs Wasserstraßen laut. Die Gondolieri klagen über den zunehmenden Motorbootverkehr, der ihre Arbeitsbedingungen erschwert. Die von immer schnelleren Booten verursachten Wellen brächten die Gondelpassagiere in Gefahr, heißt es. Fahrten mit den traditionsreichen Booten zählen zu den beliebtesten Touristenattraktionen in Venedig.

Täglich 3500 Boote

Venedigs Gondeln machen nur 14 Prozent der Boote aus, die auf dem Canal Grande kreuzen. Auf der größten Wasserstraße Venedigs sind täglich Tausende Boote, Vaporetti und Motorboot-Taxis unterwegs. Die Zeitung Corriere della Seraschätzt, dass es jeden Tag etwa 3500 Schiffe und Boote sind. Vor drei Jahren seien es noch rund 2500 gewesen. Für den starken Anstieg werden Liberalisierungsmaßnahmen im öffentlichen Verkehrssystem verantwortlich gemacht.

„Seit Jahren sagen wir, dass es so nicht mehr weitergehen kann und dass es zu schweren Unfällen kommen wird. Wir verlangen mit Nachdruck dringende Maßnahmen zur Einschränkung des Verkehrs auf den Kanälen Venedigs“, so Aldo Reato, Sprecher der Gondelfahrer.

Experten warnen seit Längerem, die Bedrohung durch wachsenden Schiffs- und Bootsverkehr sei nicht geringer als die Gefahren durch das häufige Hochwasser. Die Jahrhunderte alten Palazzi stehen auf oftmals maroden Holzpfeilern, die dem Druck der Wellen nicht länger standhielten. „Der Canal Grande ist zu einer höllischen Fahrbahn geworden, der Wellengang das Problem Nummer eins in Venedig“, warnten Medien.

Problem Riesenkreuzer

Auch Kreuzfahrtschiffe gefährden durch ihre Wellen Venedigs historische Palazzi – und sie verschmutzen die Lagune. Seit Jahren protestierten Bürger und Umweltaktivisten gegen die „Invasion“ von Riesenkreuzern. Prominente wie Donna Leon unterstützen die Kampagne gegen Kreuzfahrtschiffe.

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