Chronik | Welt
05.04.2018

Schicker Stil für Londons Frauen-Clubs

Netzwerken für die Karriere ohne Konkurrenzgehabe, Neid und Missgunst in angenehmer Atmosphäre.

Eigentlich erstaunlich, dass es so lange gedauert hat. Während sich Männer seit Jahrhunderten in exklusiven Clubs auf dicken Ledersesseln ganz privat hauptsächlich über Berufliches austauschen, um schneller Karriere zu machen, blieb der weibliche Kaffeetratsch karrieretechnisch eher wirkungslos.

Das soll sich ändern. In London schießen Frauenclubs wie Pilze aus dem Boden. Sinn und Zweck ist die gegenseitige Hilfe beim Karriere-Machen, das Durchsto ßen der gläsernen Decke, ganz ohne Konkurrenzgehabe, Neid und Missgunst.

„The AllBright“ heißt das exklusivste Frauen-Netzwerk nahe der Oxford Street. Benannt, mit einem L mehr, nach Madeleine Albright, der ersten Außenministerin der USA (1997–2001) unter Bill Clinton. Berühmt-berüchtigt ist sie wegen ihrer ungeschminkten Sprache. Albright unterstützte Hillary Clinton im Wahlkampf 2016 mit der Aufforderung, alle Frauen müssten eine Frau wählen, was in dem denkwürdigen Satz gipfelte: „Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Frauen, die sich nicht gegenseitig helfen.“ („There’s a special pla ce in hell for wo men who don’t help each other.“) Viele Frauen haben übrigens Trump gewählt.

Ein Ort für sich

„AllBright“ rühmt sich auch eines anderen Zitats, diesmal von Virginia Woolf: „Eine Frau muss Geld haben und einen Ort für sich.“ („A wo man must have money und a room of her own.“) Eigenes Geld, am besten.

In dem fünfstöckigen Backsteinbau werden nur „beruflich aktive Frauen“ aufgenommen, angeblich stehen bereits 400 auf der Warteliste, um Mitglied werden zu dürfen. Im ersten Stock gibt es Salate und heiße Getränke, im letzten Stock eine Art Deco Bar – und striktes Rauchverbot. Dazwischen liegen Arbeits- und Besprechungszimmer, die wie Wohnzimmer eingerichtet sind. Der Club wird von zwei Start-up-Unternehmerinnen geleitet, die das „Vereinigte Königreich für eine arbeitende Frau zum besten Ort der Welt machen wollen“.

Neu ist ihre Idee ganz und gar nicht: Der erste Londoner Frauenclub wurde 1892 von Emely Massingberg gegründet und nannte sich Pioneer Club. Es war eine Art Kulturzirkel und Rückzugsort. Andere Frauenclubs nehmen gezielt Unternehmerinnen bei sich auf, die sich dann auch gegenseitig vermitteln.

In Österreich sind dafür die „Wunderweiber“ zuständig, die jetzt ihr männliches Pendant in den „Glücksrittern“ gefunden haben.

Gegen die alteingesesse nen Verbindungen und Zirkel, Orden und Logen, die, selten aber doch, auch schon Frauen aufnehmen, haben die neuen Clubs noch keine wirkliche Chance. Aber sie bemühen sich, aufzuholen.