Chronik | Welt
17.08.2017

Schatzsucher entdeckten so genannte Hitler-Mühle im Wald

Das Schlüsselgerät 41 wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland als Nachfolgemodell der Chiffriermaschine Enigma entwickelt.

Hobby-Schatzsucher haben in Bayern ein äußerst seltenes Chiffriergerät aus der Nazi-Zeit entdeckt und dem Deutschen Museum in München übergeben. Vermutlich habe das sogenannte Schlüsselgerät 41 seit Kriegsende in dem Versteck in einem Wald bei Aying bei München gelegen, teilte das Museum am Donnerstag mit.

Die „Hitlermühle“ sieht auf den ersten Blick aus wie eine alte Feldschreibmaschine. Sie sollte kurz vor Kriegsende das Chiffriergerät Enigma ablösen, das im Zweiten Weltkrieg zur geheimen Übermittlung von Nachrichten verwendet wurde.

Nur rund 500 Geräte seien im Einsatz gewesen, hieß es. Im Mai hatten zwei Schatzsucher in einem Waldstück mit ihren Metallsuchgeräten das historische Gerät aufgespürt, das in rund 40 Zentimetern Tiefe vergraben lag. „Dieses besondere Stück hat unserer Kryptografie-Sammlung noch gefehlt“, sagte Kuratorin Carola Dahlke.

Erst vor einigen Monaten hatte das Deutsche Museum eine Kryptografie-Sammlung geschenkt bekommen, darunter auch ein wertvolles Exemplar der berühmten Enigma.

Das Schlüsselgerät 41 wurde seit Ende 1944 von den Wanderer-Werken in Chemnitz hergestellt, die neben Autos und Fahrrädern auch Büromaschinen produzierten. Es sollte kurz vor Kriegsende die Enigma ablösen – denn das Oberkommando der Wehrmacht hegte den Verdacht, dass die deutschen Verschlüsselungsmaschinen wie die Enigma und die Lorenz nicht mehr sicher genug seien.

Daher entwickelte der Kryptologe Fritz Menzer zwischen 1939 und 1944 verschiedene neue Verschlüsselungsgeräte. Darunter auch die „Hitlermühle“, deren Verschlüsselungsalgorithmus deutlich sicherer war als der der heute so berühmten Enigma. Allerdings wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nur wenige dieser Maschinen hergestellt. Aus damaligen Dokumenten geht hervor, dass vor allem die Abwehr - also der deutsche Geheimdienst - diese Maschine nutzte.

Bei Kriegsende wurden die Chiffriergeräte dann häufig gewaltsam zerstört oder in Gewässern versenkt. Dass dieses Gerät einfach in einem Waldstück bei Aying vergraben wurde, ist aus Sicht von Kryptografie-Expertin Carola Dahlke ein Glücksfall: „Ein solcher Bodenfund ist sehr selten.“ Sie möchte die Maschine genauso ausstellen, wie sie gefunden worden ist – weil sie dadurch eine Geschichte erzählt. Weil man ihr in diesem Zustand ansieht, dass sie 70 Jahre lang im Boden gelegen hat. Lediglich eine weitere Korrosion werde durch konservatorische Eingriffe verhindert.