Chronik | Welt
06.03.2013

"Iwan der Schreckliche" bestellte Säureattentat

Geständnis: Solotänzer hat Säureangriff auf Bolschoi-Chef angeordnet.

Lebensgefährliche Intrigen. Ein Solotänzer des Bolschoi-Theaters hat gestanden, das Attentat auf den Ballettchef der berühmtesten Tanztruppe der Welt bestellt zu haben. Der 28-jährige Pavel Dimitrischenko, der zuletzt als „Iwan der Schreckliche“ Erfolge feierte, wurde verhaftet. Ihm drohen bis zu zwölf Jahre Haft.

Der 42-jährige Bolschoi-Balletchef Sergej Filin war am späten Abend des 17. Jänner vor seinem Wohnhaus überfallen und mit einer ätzenden Schwefelsäure übergossen worden. Er befindet sich noch immer in einer Spezialklinik im deutschen Aachen, wo man sein Sehvermögen wiederherstellen will. Seine Entstellungen am Kopf und im Gesicht sollen mit kosmetischen Operationen beseitigt werden.

Das Motiv des Anstifters der Tat ist vermutlich ein Streit um die Besetzung von Rollen. Dimitrischenko wollte seiner Freundin, der Ballerina Angelina Votrontsova, beistehen, die mit Filin angeblich eine erbitterte Auseinandersetzung hatte.

Im Kampf um Traumrollen schrecken die Tänzer anscheinend vor nichts zurück. Beinharte Intrigen gab es auch zuvor – wie die gegen einen früheren Ballettchef, der mit homoerotischen Pornobildern aus dem Amt gejagt wurde.

Einer von Filins erbittertesten Gegnern, der 39-jährige Solotänzer Nikolai Ziskaridse, sagte, es gehe in der Ballettwelt „um viel Geld und enttäuschte Liebe“. Ziskaridse ist ein Förderer von Dimitrischneko und soll für das vergiftete Klima in der Compagnie verantwortlich sein. Er sagte, das Attentat sei eine „logische Folge“ von Filins Arbeit. Er selbst wurde aber nur als Zeuge einvernommen und hatte ein wasserdichtes Alibi.

Die zwei mutmaßlichen Täter, die das Attentat ausgeführt hatten, sind gewöhnliche Kriminelle, denen man mittels Überwachungskameras auf die Spur gekommen sein soll. Der Solotänzer hatte sie gegen Geld engagiert.

Pavel Dimitrischenko gibt zu, die Tat organisiert zu haben. Die schlimmen gesundheitlichen Folgen für Filin habe er so nicht gewollt.

Im Bolschoi-Theater hofft man auf die baldige Rückkehr des Ballettchefs.