Rekordastronautin gelandet

Die US-Biochemikerin Peggy Whitson war insgesamt 665 Tage im All.

Sonntag früh landete die kleine Sojus-Kapsel an einem rot-weiß gestreiften Fallschirm planmäßig in der kasachischen Steppe, rund 150 Kilometer südöstlich der Stadt Scheskasgan. Und während noch der Staub aufwirbelte, waren der Hubschrauber und die Helfer bereits zur Stelle, um die 57-jährige Peggy Whitson und ihre zwei Kollegen aus der engen Kapsel zu befreien. Die Amerikaner Whitson und Jack Fischer so wie der russische Kosmonaut Fjodor Jurtschichin wurden – so wie es zur Begrüßung üblich ist – in ihren Sesseln fotografiert. Nach langer Zeit in der Schwerelosigkeit sind die Muskeln geschwächt, der Körper muss sich erst wieder an die Erdanziehung gewöhnen. Gehen fällt jetzt schwer.

Fischer und Jurtschichin waren seit April auf dem Außenposten der Menschheit rund 400 Kilometer über der Erde im Einsatz, Whitson seit November 2016. Ihr Aufenthalt war verlängert worden. Die 57-jährige Biochemikerin gilt als eine der erfahrensten Astronautinnen der NASA.

In ihren 288 Tagen auf der ISS war Whitson sogar vorübergehend Kommandantin des fliegenden Labors. Sie hat mehrere Rekorde aufgestellt: Keine Frau war länger an einem Stück im Weltraum, kein US-Astronaut hat je mehr Zeit außerhalb der Erde verbracht (Gesamtflugzeit 665 Tage). Zum Vergleich: Der Russe Jurtschichin kommt nach fünf Flügen auf 673 Tage im All. Mit insgesamt zehn Außeneinsätzen hat Whitson zudem den weiblichen Rekord aufgestellt, im Gesamtranking liegt sie mit rund 60 Stunden im freien Weltall auf Platz 3.

Die Tochter eines Farmers aus Iowa beschloss nach der ersten Mondlandung, eines Tages auch ein Mal auf dem Mond spazieren gehen zu wollen. Ihr Berufswunsch wurde realistischer als sie mit 18 erfuhr, dass die NASA auch Frauen in den Astronautenkader aufnimmt. Peggy studierte Chemie und Biologie, ihren Doktor in Biochemie machte sie in Houston und bekam prompt ihre erste Stelle 1986 am Johnson Space Center der NASA.

Whitson gehörte seit 1996 zur 16. Astronautengruppe der NASA, danach wurde sie aufgrund ihrer Reputation nach Russland geschickt. Ihre Aufgabe bestand unter anderem darin, die zweisprachigen Handbücher für die ISS zu schreiben. Danach wurde sie als eine der besten Kandidatinnen für eine Langzeitmission auf der Raumstation ausgewählt.

Derzeit halten noch ein Russe, ein Amerikaner und ein Italiener auf der ISS die Stellung. Am 13. September sollen zwei Amerikaner und ein Russe als Verstärkung eintreffen.

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