Cardinals watch as Pope Francis speaks to the crowd from the central balcony of St. Peter's Basilica at the Vatican, Wednesday, March 13, 2013. Cardinal Jorge Bergoglio, who chose the name of Francis, is the 266th pontiff of the Roman Catholic Church. (AP Photo/Andrew Medichini)

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Reaktionen
03/14/2013

„In der Realität angekommen“

In Österreich hoffen Kirche und Politik auf positive Signale für eine moderne Gesellschaft.

Die Erwartungen an den neuen Papst sind auch in Österreich groß. Am größten ist allerdings die Überraschung, dass mit dem Argentinier Jorge Mario Bergoglio ein echter Außenseiter zum Papst gewählt wurde.

FürKardinal Christoph Schönbornist die Wahl des argentinischen Jesuiten Jorge Mario Bergoglio zum Papst eine "positive Überraschung". Die Wahl des Namens Franziskus sei auch Programm, erwartet sich der Erzbischof von Wien ein Pontifikat, das von Einfachheit und Unkompliziertheit geprägt sein werde. Auch die römische Situation betreffend könne es unter dem neuen Heiligen Vater "manche Klärung" geben. Franziskus stehe vor allem den Armen sehr nahe und habe ein konkretes Gespür für die Not der Menschen, sagte Schönborn. "Er legt einen sehr starken Akzent auf die katholische Soziallehre." Dies erwartet sich der Wiener Erzbischof nun auch für dessen Amtszeit: "Er ist ein Papst, der sicher noch manche Überraschungen bereit hält."

So habe Franziskus nach seinem ersten Auftritt nicht den für ihn bereitgestellten Mercedes genommen, sondern sei mit den anderen Kardinälen im Bus zurück in seine Unterkunft gefahren. "Das hat gerade die Mitarbeiter beeindruckt", so Schönborn. Auch auf den roten Schulterumhang mit Hermelin habe der neue Heilige Vater verzichtet.

Der Initiator der Pfarrer-Initiative,Helmut Schüller, beurteilt Franziskus vorsichtig positiv. Er ist überzeugt, dass die Weltkirche mit dem neuen Papst aus Südamerika ein wenig „in der Realität angekommen ist“. Schließlich lebt die Hälfte aller Katholiken in Nord- und Südamerika.

Schüller hofft, dass der Papst auf die Bischöfe zugeht und sie in die Kirchenleitung einbezieht. „Ob er derjenige ist, der das System Vatikan angeht, weiß ich nicht. Als von außen Kommender hat er natürlich Nachteile, aber auch große Chancen.“

Schüller hofft vor allem auf positive Signale für eine moderne Gesellschaft. „Hoffentlich redet er nicht so pessimistisch, wie das seine Vorgänger getan haben. “

Mit Erstaunen reagierte der Grazer DiözesanbischofEgon Kapellariauf die Papstwahl. Für den stellvertretendenVorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz ist es ein„starkes Symbol“, dass der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri fortan den Namen des populären Heiligen und „herausragenden Liebenden derKirche und der Menschen“ trägt. Diese „prophetische Geste“ zeige,dass der neuen Papst die soziale Dimension des christlichen Glaubenssehr ernst nehme, so Kapellari. Zugleich sieht er in der Ernennungeines Mannes aus Lateinamerika eine Verdeutlichung, „dass wir eineWeltkirche sind“.

Weder rechts, noch links

Der neue Papst werde „weder extrem rechts, noch extrem links sein, sondern gerade auf die Menschen zugehen“: So schätzt der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser den Heiligen Vater ein. Er glaubt, dass Franziskus intensiv mit den anderen christlichen Religionen zusammenarbeiten wird. Kothgasser: „Er weiß sehr wohl, dass im dritten Jahrtausend dieses Miteinander dringlich ist.“

Der St. Pöltner Bischof sagte, der Name Franziskus öffne die „Tore der Solidarität mit den Armen“. Die Papstwahl sei überraschend und erfreulich schnell über die Bühnegegangen, das gibt „Hoffnung für die Zukunft“, soKüng.

Dompfarrer Toni Faber zeigte sich in einer ersten Reaktion sehr beeindruckt, dass durch die Wahl des Argentiniers zum Papst „so viele Menschen berücksichtigt wurden“. Die Kirche werde durch ihn sicher weniger europazentriert. Das hätten sich viele Menschen gewünscht. „Er hat eine andere Lebenserfahrung als die bisherigen Päpste aus Europa.“

Theresia Heimerl vom Institut für Religionswissenschaft an der Karl-Franzens-Universität Graz war überrascht, dass ein Jesuit zum Papst gewählt wurde. „Das gab es noch nie. Die Jesuiten haben ja einen gewissen Ruf – durchaus im positiven Sinn.“

Der Name Franziskus sei sicher „auch eine Vorgabe“, sagt die Religionswissenschaftlerin. Franziskus als Begründer der Armutsorden sei einer der populärsten Heiligen der katholischen Kirche, „wenn nicht sogarderpopulärste“. Er habe ein sehr positives Image weit über die katholische Kirche hinaus. Innerkatholisch stehe er in gewisser Weise auch für Innovation.

„Ob und wie Bergoglio die Kurienreform angehen wird, ist noch schwer einschätzbar. Er wird nicht alles sofort umdrehen können.“ Er habe als Ordensmann aber Erfahrung damit, wie man eine Organisation führt, „das ist bestimmt nicht von Nachteil“.

Auch die Poltik hat große Erwartungen an den neuen Papst. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hofft, „dass Franziskus den Dialog in den Mittelpunkt seines Pontifikats stellen“ und sich „für Frieden, für arme Menschen und den Kampf gegen die Armut“ einsetzen wird. Als „Zeichen der Hoffnung und Beweis für die Einheit der katholischen Kirche“ bezeichnet Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) die rasche Einigung im Kardinalskollegium. Spindelegger wünscht dem neuen Papst „die Kraft, das Schiff der Kirche verantwortungsvoll in die Zukunft zu steuern“. Und er wünscht sich, dass Franziskus Österreich besucht.

Bundespräsident Heinz Fischer hat Jorge Mario Bergoglio namens des österreichischen Volkes und persönlich seine herzlichsten Glückwünsche zur Papst-Wahl ausgesprochen. „Die Wahl des neuen Papstes hat ein in mehrerlei Hinsicht bemerkenswertes Ergebnis gebracht. Erstmals wurde ein Nicht-Europäer in dieses hohe Amt berufen und die Wahl des Namens, die wohl auf den Hl. Franz von Assisi hindeutet, lässt eine Betonung der Zuwendung zu den Armen und eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Schätzen der Natur vermuten. Diese Themen sind weit über den Kreis der katholischen Kirche und der christlichen Religion hinaus für die ganze Welt von Bedeutung“, so Bundespräsident Fischer. Fischer hat laut einer Aussendung der Präsidentschaftskanzlei die Absicht, an der Amtseinführung von Papst Franziskus I. in Rom teilzunehmen.

Botschaft von Liebe und Mitgefühl

Der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, hat die Wahl des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst als "mutigen Beschluss" gefeiert. "Diese Wahl bezeugt den Mut der Kardinäle, die Perspektive der Kirche zu erweitern. Bisher war noch nie ein Papst aus einem anderen Kontinent gewählt worden", sagte Lombardi, der wie Bergoglio Jesuit ist.

US-Präsident Barack Obama hat dem neuen Papst Franziskus I. zu seiner Wahl gratuliert. Er freue sich darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten, um Frieden, Sicherheit und die Würde aller "Mitmenschen, unabhängig ihres Glaubens" zu stärken.

"Als Fürsprecher der Armen und der Schwächsten trägt er die Botschaft von Liebe und Mitgefühl weiter, die die Welt seit mehr als 2000 Jahren inspiriert hat", so Obama und seine Ehefrau Michelle in einer schriftlichen Erklärung. Zugleich sei die Wahl des ersten Papstes aus Amerika ein Zeichen der Vitalität und Stärke Lateinamerikas.

Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hat den neuen Pontifex beglückwünscht. "Wir wünschen, dass Sie als Kirchenführer eine fruchtbare Aufgabe erfüllen werden, in so großen Verantwortungen im Streben um Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit und den Frieden der Menschheit", hieß es in einem an den Papst gerichteten Brief.

A worshiper holds up the front page of a magazine …

Faithful hold up an Argentine flag and sing outsid…

People sing waving Argentine and Vatican flags out…

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Roman Catholics celebrate the election of Argentin

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ARGENTINA NEW POPE

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Fernandez der Kirchner hatte in den vergangenen Jahren mehrfach öffentliche Auseinandersetzungen mit dem bisherigen Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, geführt.

Der venezolanische Interimspräsident Nicolas Maduro ist sich sicher, dass der vor mehr als einer Woche verstorbene venezolanische Staatschef Hugo Chavez bei der Papst-Wahl seine Hände im Spiel hatte. "Wir wissen, dass unser Kommandant (Chavez) in diese Höhen aufgestiegen ist und Christus gegenübersteht. Er muss einen Einfluss auf die Wahl eines südamerikanischen Papstes gehabt haben", sagte Maduro in Caracas nach der Vorstellung des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio als neuer Papst Franziskus.

Der serbische Ministerpräsident Ivica Dacic hat sich überzeugt gezeigt, dass der neue Papst die "guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Serbien" ausbauen werde. In seiner Gratulation an Franziskus bekundete Dacic laut Belgrader Medienberichten auch die Hoffnung, dass der aus Argentinien stammende Pontifex gemeinsam mit anderen Religionsgemeinschaften den "Weg der Brüderlichkeit, des Vertrauens, des Friedens und der Solidarität unter allen Menschen" fortsetzen werde.

Auch Die Spitzen der EU-Institutionen haben dem neuen Papst Franziskus I. gratuliert. "Wir wünschen Ihnen ein langes und gesegnetes Pontifikat, das Eurer Heiligkeit und der katholischen Kirche erlauben wird, die Grundrechte des Friedens, der Solidarität und der Menschenwürde zu verteidigen und zu fördern", erklärten EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in einer gemeinsamen Mitteilung am Mittwoch in Brüssel. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat dem neuen Papst und allen Katholiken weltweit gratuliert. "Ich freue mich auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan unter der weisen Führung von seiner Heiligkeit, Papst Franziskus", sagte Ban laut Mitteilung am Mittwoch in New York.

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„Offensichtlich ist zu den Kardinälen durchgedrungen, dass das Ruder herumgerissen werden muss. Der erste Auftritt des neuen Papstes brachte der Welt einen ungekünstelten Mann mit einfachen Worten, einen Mann des Gebets, ohne großes Gehabe. Kein Mann der Kurie, auch wenn die Zeit das noch zeigen muss. Die Namenswahl Franziskus bietet den stärksten Anhaltspunkt für die inhaltliche Wahl, die die Kirchenführer mit Kardinal Bergoglio getroffen haben. (...) Eine Entscheidung für eine bescheidene, prophetische Vorgehensweise. Danach besteht in einer Welt, die auf der Suche nach Halt ist, große Nachfrage. Auch viele, die nicht (mehr) zur Kirche gehören, haben Respekt vor einem authentischen Katholizismus, der frei von Herrschsucht und Besserwisserei ist.“ - De Standaard (Belgien)

„Nach Jahren des Stillstands schlägt die Kirche einen neuen Weg ein. Der argentinische Kardinal Bergoglio, der überraschend schnell aus der Mitte der 115 Kardinäle gewählt wurde, machte mit seinem ersten öffentlichen Auftritt deutlich, dass ein neuer Wind durch den Vatikan wehen wird. Darauf hatten Millionen Katholiken gehofft. (...) Vor allem muss er nach den Missbrauchsskandalen und den Problemen im Vatikan selbst, das Vertrauen in die Kirche wiederherstellen. Denn das wurde durch das langmütige Auftreten verantwortlicher Kirchenführer beschädigt. Ob Franziskus stark genug ist, die Kirche zu modernisieren, wird sich zeigen.“ - De Telegraaf (Niederlande)

„Die Wahl eines dialogbereiten Nicht-Europäers zum neuen Papst weckt Hoffnungen auf Reformen, die die katholische Kirche benötigt. Die Spannungen innerhalb der Kirche selbst wie auch in den Beziehungen zur Außenwelt sind unübersehbar. Viele Menschen mögen von den Riten fasziniert sein, aber sie haben kaum Verständnis für die Uneinsichtigkeit und den Dogmatismus der Kirche in Fragen, die mit Sex, neuen Familienformen oder der Gleichberechtigung zu tun haben. Niemand hätte die Wahl eines Revolutionärs zum Papst erwartet. Aber die Qualitäten der Aufrichtigkeit und der Dialogbereitschaft können für Papst Franziskus die entscheidenden Trumpfkarten sein, um die gewünschte Entwicklung einzuleiten.“ - El Pais (Spanien)

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