Chronik | Welt
26.03.2017

Putin-Kritiker Nawalny bei Massendemo in Moskau verhaftet

Der charismatische nationalistische Oppositionspolitiker will 2018 gegen Putin kandidieren.

Der einzige ernstzunehmende Oppositionspolitiker in Russland, Alexej Nawalny, wurde Sonntag Mittag bei einer Demonstration in Moskau festgenommen. Er hatte zu Protesten gegen die Korruption der Elite in 100 russischen Städten aufgerufen – und Zehntausende waren gekommen. Es waren die größten koordinierten Proteste seit den Parlamentswahlen im Dezember 2011.

Die Demonstranten wussten genau, was sie am Sonntag riskierten. Doch es kamen viele Mutige, sehr junge und auch sehr alte Menschen. Mit ihren Handys filmten sie die brutalen Aktionen der Polizei. Offenbar wurden mehr als 130 Menschen festgenommen, darunter auch ein Journalist des britischen Guardian.

Der 40-jährige Anwalt und Blogger Alexej Nawalny will 2018 bei den Präsidentenwahlen gegen Wladimir Putin antreten. Ob er darf, ist mehr als fraglich. Denn erst im Februar wurde er in einer Art Schauprozess wegen Unterschlagung von Holz in der Stadt Kirow zu fünf Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Auch Nawalnys Bruder und enge Freunde wurden verhaftet.

Medwedew im Visier

Erst Anfang März hat sich Nawalny den russischen Premierminister Dimitri Medwedew vorgenommen. Er bezichtigt ihn des Amtsmissbrauchs und der Korruption. In einem 49-minütigen Video auf YouTube nimmt Nawalny die Finanzen des Putin-Vertrauten Stück für Stück auseinander.

Zum Vorschein kommen dabei zwei Jachten, mehrere Villen in bester russischer Lage und ein Weinberg in Italien. Nawalny bediente sich bei seinen Recherchen öffentlich zugänglicher Unterlagen. Er durchforstete Firmen- und Grundstücksverzeichnisse. Dazu präsentierte Nawalny auch Fotos und Videos.

Diese ergäben, dass Medwedew über ein Netz von Strohmännern, Scheinfirmen und Fonds zu seinen Besitztümern kam. Finanziert habe er die Käufe mit dem Geld von Oligarchen, die ihre guten Gaben als Spenden und Kredite deklariert haben. Wie man das halt so macht, wenn Schmiergelder fließen.

Eine Sprecherin Medwedews bezeichnete den Bericht als Propaganda und Wahlkampfmanöver.

Nawalny hat immer wieder Korruptionsskandale der russischen Elite aufgedeckt.

Putins Freund, der Cellist Sergei Roldugin etwa, steht nicht nur bei Nawalny auf der Liste der wichtigsten Strohmänner, auch in den "Panama Papers" tauchte er auf. Seine Verbindungen zu Offshorefirmen erklärte der Taufpate von Putins Tochter Maria im russischen TV-Sender Westi so: "Ich habe angebettelt, wen ich konnte, für dies und jenes, denn alles kostet Geld: Die Instrumente sind teuer, die Professoren sind teuer." Schließlich hätten ihm die Mäzene einen kleinen Anteil am Geschäft angeboten, "um nicht mehr betteln zu müssen, sondern eigenes Geld zur Unterstützung der russischen Kultur zu haben". Putin sagte: Er sei stolz, solche Freunde zu haben.

Alexej Nawalny ist ein Freund von Schachweltmeister Garri Kasparow, der in seinem gleichnamigen Buch erklärt, "Warum wir Putin stoppen müssen". Der charismatische Nawalny ist selbst nicht unumstritten, er nennt sich einen "nationalistischen Demokraten", dafür kann er aber die Massen ansprechen.