(Symbolbild)

© REUTERS/SAM MIRCOVICH

Spiele
09/01/2016

Pokemon-Jäger stellten Einbrecher in Neuseeland

Junge Leute waren spät abends auf der Straße unterwegs und beobachteten Tat.

Auf der Jagd nach Pokemon-Wesen mit Smartphones sind mehrere Spieler in Neuseeland einem Einbrecher auf die Spur gekommen. Die jungen Leute seien zu später Stunde in der Stadt Napier unterwegs gewesen, um mit dem populären Spiel Pokemon Go auf ihren Handys Fantasiewesen einzufangen, berichtete die Polizei am Donnerstag.

Plötzlich hätten sie die Alarmanlage eines Autos gehört und dann einen Mann gesehen, der davonlief. Sie hätten ihn verfolgt, festgehalten und die Polizei gerufen. "Ohne den Einsatz dieser jungen Leute hätten wir den Mann nie geschnappt", lobte Einsatzleiter David Sutherland.

"Sie waren mutig und haben ihn festgehalten, bis wir eintrafen." Allerdings sei es eigentlich besser, die Polizei zu alarmieren statt selbst einzugreifen. Manche Einbrecher seien gefährlich. Der, den die Pokemon-Fans fingen, war relativ harmlos. Der 28-Jährige war in das Auto eingebrochen und hatte daraus Gegenstände gestohlen. Er wurde inzwischen wegen Diebstahls angeklagt.

GB: Fast 300 Pokemon-Go-Vorfälle

Schauplatzwechsel: Seit Veröffentlichung von Pokemon Go Anfang Juli hat die Polizei in Großbritannien fast 300 Vorfälle im Zusammenhang mit dem Smartphone-Spiel registriert. Das berichtete die BBC am Montag unter Berufung auf eine eigene Umfrage bei allen Polizeidirektionen in England und Wales. Die Bandbreite reicht von Verkehrssünden, über Raub und Körperverletzung bis hin zu Sexualdelikten.

Insgesamt verzeichneten die Polizeidirektionen demnach 290 Vorfälle. Pokemon-Go-Spieler traten dabei sowohl als Täter, als auch als Opfer in Erscheinung. Immer wieder wurden beispielsweise Autofahrer dabei erwischt, wie sie hinter dem Steuer Pokemon Go spielten. Mehrere Spieler meldeten der Polizei, ihre Handys seien ihnen während des Spielens entrissen worden.

In der Nähe von Liverpool erhielt die Polizei einen Anruf, weil Kinder bei der Jagd auf Pokemons auf Gräbern in einem Friedhof herumliefen. Eine Person habe sich an die Polizei gewandt, weil sie im Zusammenhang mit dem Spiel "sexuelle Angebote" erhalten habe.

Bei Pokemon Go jagen die Spieler kleine Monster, die sich scheinbar an realen Orten aufhalten. Zu sehen sind sie aber nur auf dem Handy-Display. Das Spiel wurde bereits millionenfach heruntergeladen.

Reale Gefahren bei der digitalen Monsterjagd

Das Smartphone-Spiel Pokemon Go hat sich schnell zu einem weltweiten Trend entwickelt. Auch in Venezuela wird es gespielt - hier birgt es allerdings besondere Gefahren. Wer auf den Straßen der venezolanischen Hauptstadt Caracas Pokemons jagt, riskiert sein Handy und vielleicht sogar sein Leben: Schließlich ist Venezuela eines der gefährlichsten Länder der Welt.

Der 18-jährige Philosophie-Student Cristian Fragoza ist sich dieser Gefahren bewusst: "Wir trotzen den Verbrechern", sagt der Pokemon-Fan, der sich mit einer Gruppe Gleichgesinnter bei einem Einkaufszentrum zur Monsterjagd getroffen hat.

Fragoza bekennt, er sei regelrecht süchtig nach dem Smartphone-Spiel, das seit Anfang August auch in Venezuela verfügbar ist. Stolz zeigt er auf seinem Display einen Bulbasaur, eine Art grünes Reptil, das er am Rande des Armenviertels 23 de Enero gefangen hat - einer der gefährlichsten Gegenden der venezolanischen Hauptstadt.

Dazu braucht es Wagemut in einem Land, in dem 2015 nach Justizangaben 17.778 Menschen ermordet wurden - das sind 58 Morde pro 100.000 Einwohner. Weltweit liegt der Durchschnitt nach Angaben der Vereinten Nationen bei 8,9 Morden.

Fragoza agiert vorsichtig, wie er sagt: "Ich durchquere zwei Häuserblöcke, wo mich alle kennen, seit ich ein Kind bin, und komme dann zurück." Doch die 22-jährige Alejandra Salazar sagt: "Nicht alle wagen es, ihr Handy herauszuholen, um zu spielen." Nachdem ihr eigenes Smartphone geraubt wurde, spielt sie auf den Smartphones ihrer Freunde, bis sie sich ein neues kaufen kann.

Rund 500 Menschen wurden nach Angaben des Verbandes Alto al Crimen (Stoppt das Verbrechen) zwischen Oktober 2015 und März 2016 in Venezuela getötet, weil sie beim Raub ihres Handys Widerstand leisteten. Seit die Ölpreise fielen und das ölreiche Venezuela in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte, hat sich die Gewalt noch verschärft.

Nun verweisen Spielervereinigungen auf die sehr realen Gefahren der virtuellen Monsterjagd. "Fangt sie in Sicherheit" heißt eine Kampagne, die auf sozialen Netzwerken warnt: "Dein Telefon und vor allem Dein Leben ist wichtiger als ein Pokemon."

"Unser wichtigstes Ziel war eine Kampagne für Sicherheit", erklärt der 30-jährige Unternehmer Luis Vargas, der den Twitteraccount @PokemonGo_Vzla betreibt. Zu ihrem Schutz seien Pokemon-Jäger in Gruppen unterwegs und spielten möglichst auf öffentlichen Plätzen oder Gegenden mit Polizeipräsenz.

Der 22-jährige Carlos Reina glaubt, Pokemon-Fans kämen trotz Kriminalität gut klar. Er selbst hat schon rund 40 Figuren in seiner Sammlung. Sein Lieblingsmonster? Elektek, ein katzenähnliches, gelbes Wesen. Ab und zu begleite ihn seine Mutter Leida Castillo. "Manchmal nimmt sie mein Telefon, um selbst zu spielen", sagt Reina lachend.

Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro, politischer Erbe von Hugo Chavez, macht aus seiner Abneigung gegen die App keinen Hehl. Bei seiner wöchentlichen Fernsehansprache warnte er, das Spiel fördere eine "Kultur der Gewalt" bei Kindern und Jugendlichen. Dass unweit der Grabstätte von Chavez laut Fagoza drei Pokestops zu finden sind, an denen sich Monster-Jäger mit Ausrüstung eindecken können, wird ihm da kaum gefallen.

Auch in Venezuelas Parlament ist Pokemon Go angekommen. Neulich twitterte der Oppositionsabgeordnete Freddy Guevara ein Bild eines Pokemon, das er im Plenarsaal vor der Sitzung erwischt hatte. "Es gibt Leute, die diese Viecher nicht in den Straßen fangen, sondern an ihrem Arbeitsplatz", kritisiert sein politischer Gegner Diosdado Cabello, die rechte Hand Maduros. "Sie sind wirklich dreist und werden deshalb nie wieder an die Macht kommen."

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