PokéStops und Arenas sind an vielen Orten zu finden, auch an Friedhöfen

© APA/AFP/STEFAN HEUNIS

Deutschland
07/15/2016

Haftbefehl: Polizei erwischt Gesuchten dank "Pokemon Go"

Üblicherweise achteten Gesuchte darauf, ob Polizisten in der Nähe seien - hier sei der Bann des Spiels laut Polizei wohl zu stark gewesen.

Weil er unaufmerksam "Pokemon Go" auf seinem Smartphone spielte, ist ein per Haftbefehl gesuchter 18-Jähriger der Polizei in Trier ins Netz gegangen. Nun muss der Mann für ein halbes Jahr ins Gefängnis, wie die Beamten mitteilten. Bisher hatte er sich der Strafe entzogen.

Der 18-Jährige war am Donnerstag mit einem Freund auf der Suche nach den virtuellen Monstern durch Trier gezogen, während die Polizei in der Gegend nach dem Rechten sah. Die beiden Männer wurden überprüft.

"Zu unaufmerksam"

Obwohl der polizeibekannte 18-Jährige zunächst einen falschen Namen nannte, stellte sich bald heraus, dass gegen ihn ein Haftbefehl vorlag. Üblicherweise achteten Gesuchte darauf, ob Polizisten in der Nähe seien, sagte ein Sprecher - hier sei der Bann des Spiels wohl zu stark gewesen.

In der App kann man die beliebten "Pokemon"-Monsterfiguren sammeln. Sie werden an verschiedenen Orten auf dem Smartphone-Display in die reale Umgebung eingeblendet. Das Spiel ist seit Mittwoch auch in Deutschland verfügbar.

Nichts ist sicher vor "Pokemon Go"

Sie sind inzwischen überall: Spieler der neuen Smartphone-App "Pokémon Go" schwärmen weltweit aus. Sie sorgen dabei nicht nur für Menschenansammlungen und skurrile Phänomene, sondern mancherorts auch für Ärger. Dabei war die App eigentlich erst in den USA, Kanada und Neuseeland verfügbar, erst seit Mittwoch gibt es sie offiziell auch in Deutschland.

In Österreich soll das Spiel ebenfalls in Kürze starten, doch Fans ziehen auch hier längst seit Tagen damit auf Monster-Suche durch die Straßen, nachdem die App auch über andere Quellen zu erhalten ist. Spieler und die virtuellen Taschenmonster machen weltweit selbst vor dem Weißen Haus in Washington nicht Halt. Dort errichtete ein besonders eifriger Spieler bereits eine "Gym"-Station, wie die Website "Kotaku" berichtete. Ein Screenshot wurde als Beweis auf Twitter veröffentlicht. Hat sich möglicherweise US-Präsident Barack Obama selbst diesen Spaß erlaubt und ist Besitzer des ersten "Pokemon" im Weißen Haus?
DerNew Yorker Central Parkwar zwischenzeitlich zu einer Art Hauptquartier von "Pokemon-Go"-Spielern geworden. Wie auf Twitter verbreitete Video-Aufnahmen zeigen, strömten die Menschen in Scharen mit ihren Smartphones in die sonst beschauliche Großstadt-Oase und machten sich dort auf die Suche nach Taschenmonstern und neuen Herausforderungen. Bei der App sind "Pokemon"-Figuren an verschiedensten Orten platziert. Um sie auf dem Smartphone-Bildschirm zu sehen und zu fangen, muss der Spieler sich in die Nähe begeben.
Unterdessen sorgten euphorische "Pokemon-Go"-Spieler mit ihren Smartphones auch im fernenAustralien für Aufsehen und Ärger. Als sie in Scharen in einen ruhigen Vorort von Sydney einfielen, riefen die Bewohner dort die Polizei und bewarfen die Spieler mit Wasser-Bomben. Es sei ein "komplettes Chaos" entstanden, als Hunderte Gamer mitten in der Nacht lärmend auf die Suche nach "Pokemon" gegangen seien, berichteten Bewohner des Stadteils Rhodes demSydney Morning Herald.
InAmsterdam setzten sich die Mitarbeiter eines Krankenhauses ebenfalls gegen "Pokemon-Go"-Spieler zur Wehr. Wie dieWelt berichtete, forderte das Akademische Medizinische Zentrum in der niederländischen Metropole die Besucher auf, nicht mehr auf der Jagd nach "Pokemon" in nicht öffentliche Bereiche des Krankenhauses einzudringen. "Es gibt tatsächlich ein krankes Pokemon im AMC, aber wir sorgen gut für es. Bitte besucht es nicht", teilte die Klinik über Twitter mit.

Gedenkstätten wollen ausgenommen werden

Viele "Pokemon-Go"-Begeisterte zücken allerdings auch in Gedenkstätten ihre Smartphones - und die Einrichtungen sind nicht glücklich darüber. So ermahnte der Arlington-Ehrenfriedhof in Washington die Besucher bei Twitter, das das unangemessen sei. Auch das Holocaust-Museum in der US-Hauptstadt appellierte an die Besucher über den Kurznachrichtendienst, respektvoll zu bleiben. Man versuche, den Ort aus dem Spiel entfernen zu lassen, erklärte ein Sprecher dem Sender NPR am späten Dienstag.

Wie der Sprecher der Gedenkstätte im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Pawel Sawicki, am Mittwoch sagte, wurde der Entwickler von Pokemon Go gebeten, auch dieGedenkstätte Auschwitz von seiner Spiele-App auszunehmen. "Wir haben am Dienstag einen Brief an das Unternehmen Niantic geschickt, in dem wir fordern, die Geolokalisierung des Lagers in der App zu unterdrücken", sagte Sawicki. Das Spielen in der Gedenkstätte sei "deplatziert". "Hier haben hunderttausende Menschen gelitten, Juden, Polen, Roma, Russen und andere Nationen", sagte der Sprecher. Die Gedenkstätte wolle alle Spieleentwickler sensibilisieren, "Respekt für das Gedenken an die Opfer dieses größten Todeslagers der Nazis im Zweiten Weltkrieg" zu haben. In dem 1940 von den Nazis erbauten Lager in Polen wurden bis Kriegsende 1,1 Millionen Menschen ermordet, darunter eine Million Juden.
Die Entwickler - Nintendos Pokemon Company und die Spielefirma Niantic Labs - geben die Möglichkeit, unangemessene Orte zu melden. Bereits im vergangenen Jahr hatte es ähnlichen Ärger gegeben. Das ebenfalls ortsbasierende Spiel von Niantic Labs, "Ingress" hatte zuerst auch virtuelle Portale auch an ehemaligen Nazi-Konzentrationslagern platziert. Nach Kritik wurden sie schnell wieder entfernt.
Unterdessen soll der Hype um das Spiel auch schon eine Beziehung ruiniert - aber auch ein Hundeleben gerettet haben. DieNew York Post berichtete, eine Frau habe ihren Partner mit Hilfe des Spiels beim Seitensprung erwischt. Demnach hatte sich der Mann mit seiner Ex-Freundin getroffen und sich unmittelbar danach auf die Suche nach "Pokemon" gemacht. An dem Spielverlauf habe die Freundin gesehen, dass ihr Freund ein Monster direkt im Haus der Ex gefangen habe.
In Texas stieß eine Frau auf der Suche nach virtuellen "Pokemon" überraschend nicht auf ein "Jigglypuff" genanntes Monster, sondern auf einen ausgesetzten und verletzten kleinen Hund. Mit Hilfe eines Pizza-Boten wurde das Tier in eine Klinik geschafft, in der ihm das gebrochene Bein geschient wurde. Ebenfalls in Texas meldete die Polizei auch einen Auffahr-Unfall in Zusammenhang mit dem Spiel. Ein Fahrer stellte seinen Wagen regelwidrig ab, um auszusteigen und ein "Pokemon" zu fangen, wie die Polizei bei Twitter erklärte. Kurz darauf sei ein anderes Auto von hinten aufgefahren.
Die kostenlose Spiele-App Pokemon Go animiert die Nutzer, mit ihrem Smartphone herumzugehen und in der "echten Welt" versteckte Pokemon-Figuren einzufangen. Dabei werden die GPS-Funktion und das Kartenmaterial des Smartphones genutzt. Seit der Veröffentlichung der App in einigen Ländern wurde sie bereits millionenfach heruntergeladen.

Islam-Gelehrter: "Pokemon Go" ist Sünde

Ein hochrangiger islamischer Gelehrter hält die Smartphone-App "Pokemon Go" für Sünde. Das Spiel zu spielen sei genau so verboten, wie Alkohol zu trinken, sagte der Vize-Scheich der renommierten Kairoer Al-Azhar, Abbas Schuman, am Donnerstag. Das Spiel habe einen negativen Einfluss auf die Spieler, ohne dass diese das bemerkten.

Die Al-Azhar ist eine der wichtigsten religiösen Institutionen der islamischen Welt. Es gehe nicht darum, neuartige Technologien generell abzulehnen, sagte Islam-Gelehrte. Aber einige Menschen benutzten sie geradezu "obsessiv" und würden darüber Arbeit und Gebet vernachlässigen. Zudem müsse verhindert werden, dass durch das Spiel auch Gebetsorte oder staatliche Institutionen negativ beeinflusst würden, sagte er.

Die App des japanischen Spiele-Anbieters Nintendo hat weltweit einen regelrechten Hype ausgelöst. Millionen Menschen machen sich inzwischen weltweit mit ihrem Smartphone auf die Jagd nach den virtuellen Monstern. Das Spiel nutzt die Standort-Erkennung (GPS) des Telefons und blendet die Figuren auf dem Display ein, so dass sich virtuelle und reale Welt verbinden. In Ägypten ist das Spiel offiziell noch nicht erschienen, dennoch sind auch dort bereits zahlreiche "Pokemon"-Jäger unterwegs.

User verbringen mehr Zeit mit Pokemon Go als Facebook

33 Minuten täglich verbringen die US-Nutzer durchschnittlich mit der Mobile-App Pokemon Go, dass sind um elf Minuten mehr als mit Facebook und um 15 mehr als Snapchat oder Twitter, so der internationale Tech-Blog techcrunch. Inzwischen nützen 21 Millionen Menschen die Hype-App täglich in den USA - damit ist es das größte Mobile-Game aller Zeiten.

Die Verweildauer sei einer der wichtigsten Indikatoren für mobile Applikationen, meinten Blogger von techcrunch. Auf Twitter hat sich unter den Go-Nutzern und Nutzerinnen das geflügelte Wort entwickelt: "Pokemon Go hat in 24 Stunden mehr gegen Übergewicht bei Kindern getan, als Michelle Obama in sechs Jahren." (Anm. 2010 startete Michelle Obama die 150 Mio. Dollar schwere "Lets move! Active Schools"- Kampagne).

Unerwartete Fans hat die App auch im österreichischen Parlament, Robert Lugar (Team Stronach): "Pokemon Go ist wirklich eine witzige Idee. Und wenn man es nicht übertreibt, dann hat das Handyspiel auch einen positiven Nebeneffekt" Nach dem die App seit Mittwoch in Deutschland verfügbar ist, erwartet man auch den baldigen Österreich-Release.

Pokemon Go: Von Lust und Frust

Der Ansturm auf das Smartphone-Spiel Pokemon Go, das in Österreich offiziell noch gar nicht in den App-Stores erhältlich ist, ist auch schon in heimischen Städten zu spüren und zu sehen. Die APA machte in Graz den Selbst-Test und begab sich auf die Jagd nach Pikachu, Parasek und Pummeluff. Fazit: GPS- und Serverprobleme, aber dennoch Suchtpotenzial und Spaß - auch für nicht Pokemon-Fans.

Zunächst eines vorweg: Nur wenige mit plus 30 Jahren haben den ersten Hype um Pokemon in den 90er-Jahren leidenschaftlich miterlebt. Umso größer ist bei vielen "Ü-30ern" zu anfangs der Zweifel und das Unverständnis. Doch schon nach wenigen Minuten Spielerklärung durch eingefleischte Fans scheint ein Test zumindest nicht zu schaden - sei es nur, um danach sagen zu können, dass es sich nicht lohnt. Die App, die derzeit noch über nicht ganz sichere Kanäle auf dem Smartphone landet, ist schnell via Bluetooth von einem fremden Handy auf dem eigenen und installiert. Die Gefahr von Viren muss dabei vorerst in Kauf genommen werden.

Die Installation dauert nur wenige Sekunden. Man sucht sich bei seinem Avatar noch Haut- und Haarfarbe, Kleidung, Schuhe und ein Kapperl aus und los geht's - nämlich via GPS. Dieses ist nämlich zusammen mit einer guten Internetverbindung Voraussetzung für das Spiel. Es öffnet sich eine digitale Karte auf dem Display, deren Daten von Google-Maps gespeist werden. Doch statt Straßennamen lassen sich - zumindest in den Städten - viele blaue "Pokestops" finden. Bei ihnen können die sogenannten Pokebälle und andere "Items" gesammelt werden. Dafür muss man als Spieler aber in der realen Welt zu den digitalen Pokestops hingehen, wobei der Avatar am Handy via GPS "mitgeht". Wenige Meter rund um die Pokestops, die meist an besonderen Bauwerken, Statuen oder ähnlichem sind, können die Bälle gesammelt werden.

Die Bälle sind die Voraussetzung, um in Folge auch die begehrten Pokemon-Monster zu sammeln. Diese sind an vorher nicht genau bekannten Orten in der Stadt und der ganzen Welt versteckt und erscheinen - manchmal aber nicht immer - wenn man quasi an ihnen vorbeikommt. Mit den Bällen und einer Wischbewegung am Display kann das Pokemon gefangen werden. Im "Pokedex" werden die gesammelten Monster dargestellt, 147 verschiedene soll es geben, nur wo man welches findet, ist nicht genau bekannt. Daher lautet das Motto: Viel spazieren, Rad fahren oder in der Gegend herumskaten. Nach nur einer Stunde packt die meisten das Sammelfieber und die Freude über einen überdimensionalen Steinwurm namens Onix, der übrigens am Grazer Schloßberg zu finden ist, bringt einen schon Mal Glücksgefühle wie in Kindheitstagen.

Neben dem Sammeln der Monster können diese dann auch noch aufgebessert oder entwickelt werden. Hat man ein paar starke Monster in der Tasche und sein eigener Avatar Level fünf erreicht, steht einem Spaziergang zu einer sogenannten Arena nichts im Wege: Diese sind in Graz an vielen Orten, etwa am Hauptplatz, am Jakominiplatz oder auch am Schloßberg zu finden. In den Arenen wird gegen Monster von anderen Spielern gekämpft - natürlich nur digital, wobei der reale Gegner nicht einmal in der Nähe sein muss. Der Gewinner hinterlässt nämlich sein bestes Pokemon in der Arena, kommt ein anderer Spieler später vorbei, kann er ihn herausfordern und die Arena übernehmen. Gekämpft wird übrigens in drei unterschiedlichen Teams, für das man sich als Spieler ab Level fünf entscheiden muss.

Besonders viele andere Spieler entdeckt man in der Nähe von Pokestops, an denen einer der Pokemon-Sammler ein "Lockmodul" quasi eingesetzt hat. Es lockt für 30 Minuten die kleinen Monster an, wobei jeder, der in der Nähe ist, davon profitiert, denn ein aufgetauchtes Pokemon kann nicht nur von einem, sondern von jedem anwesenden Spieler gefangen werden. So passiert es schon mal, dass nach nur wenigen Minuten rund um ein Lockmodul, das auf der digitalen Karte am Handy deutlich zu sehen ist, zehn zumeist gar nicht mehr ganz so junge Menschen mit den Augen auf das Handy gerichtet herumstehen. Ein Blick zu den anderen und ein Lächeln verraten sofort, wer von ihnen ebenfalls Pokemon Go spielt. Weiteres deutliches Anzeichen: Wer sein Handy schon an eine Powerbank (ein Akku zum Aufladen des Handys, Anm.) angeschlossen hat, ist meist Monster-Jäger, denn die App saugt vergleichsweise viel Strom aus der Batterie. Nach vier oder fünf Stunden Spaziergang ist der Saft meist aus.

Neben der körperlichen Betätigung beim Spazieren oder Radfahren hat Pokemon Go noch einen positiven Nebeneffekt: Schnell entwickeln sich Gespräche mit fremden Menschen, die eben zufällig auch gerade auf Pokemon-Jagd herumlaufen. Vorsicht ist aber vor allem in der Stadt geboten: Der ständige Blick auf das Smartphone verleitet zur Unachtsamkeit im Straßenverkehr. Negativ sind auch der hohe Akku-Verbrauch und die GPS- sowie Server-Probleme. Vor allem gegen 20.00 Uhr ist oft Schluss mit lustig, weil offenbar sehr viele gleichzeitig auf die Server zugreifen und diese überlastet sein dürften. Die Folge ist, dass man nicht mehr ins Spiel kommt, sich die App aufhängt oder das GPS-Signal nicht geortet werden kann. Da steigt der Frustfaktor - und dennoch versucht man es immer wieder.

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