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Chronik Welt
10/19/2012

Opfervater trifft Ex von Dutroux

Die Einladung, mit Michelle Martin zu reden, habe ihn „destabilisiert“, sagt der Vater der im Alter von acht Jahren ermordeten Julie.

von Susanne Bobek

Ich wollte sie lieber nicht treffen, weil ich Angst vor meinen Reaktionen hatte", sagt Jean-Denis Lejeune, 52, der Vater der im Alter von acht Jahren in einem Kellerverlies verhungerten Julie. "Aber das Treffen gehört zu dem Weg, den ich seit 17 Jahren gehe, um die Wahrheit herauszufinden." Die Frau, die den Kindern kein Essen brachte, heißt Michelle Martin, 52, und lebt, weil sie angeblich so religiös geworden ist, in einem Nonnenkloster.

Ein belgischer Richter erlaubt das Treffen zwischen Michelle Martin, der Ex-Frau und Komplizin des Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux, und dem Vater der ermordeten Julie am Donnerstag. Dutroux hatte zwischen Juni 1995 und August 1996 sechs Mädchen und junge Frauen entführt und vergewaltigt. Vier von ihnen starben. Der Antrag des heute 55-Jährigen auf vorzeitige Haftentlassung wurde abgelehnt. Dutroux bleibt vermutlich für den Rest seines Lebens in Haft.

Entlassung führte zu Protesten

Seine Ex-Frau wurde unter heftigen Protesten am 28. August nach 16 Jahren aus der Haft entlassen (Urteil 30 Jahre). Sie lebt jetzt im Klarissenkloster in Malonne, das wegen der andauernden Demonstrationen von der Polizei abgeriegelt wird.

Ende September bot Martin Jean-Denis Lejeune ein Gespräch an. Ausgerechnet dem Mann, der seit den unfassbaren Verbrechen alles daransetzte, dass die belgische Justiz wieder auf Vordermann gebracht würde. Lejeune engagiert sich nicht nur politisch. Er gründete auch die Bürgerinitiative "Childhood", die vermisste Kinder sucht, außerdem organisierte er einen Protestmarsch gegen die vorzeitige Entlassung von Martin.

Lejeune geht es derzeit nicht sehr gut. Die Einladung habe ihn "destabilisiert". "Ich glaubte, dass sie mich manipulieren würde, wie sie es mit anderen gemacht hat". Dann habe er sich jedoch in der Hoffnung besonnen, "ein Stück Menschlichkeit in ihr zu entdecken." Lejeune hält Martin allerdings weiterhin verantwortlich für den Tod seines Kindes. Der Richter hat angeordnet, dass ein Mediator beim Klostertreffen dabei sein muss.

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