Das ausgebrannte Apartment in Herne - hier geschah der zweite Mord.

© APA/AFP/dpa/MARCEL KUSCH

Herne
03/10/2017

Marcel H. gestand zweite Tat: "Er ist eiskalt"

Nach Kindsmord in Herne stellte sich der Verdächtige selbst – und er gestand eine zweite Tat.

von Evelyn Peternel

"Uns allen ist eine Zentnerlast vom Herzen gefallen", sagt Gregor Lange. Vier Tage lang hat der Schrecken für die Ruhrpott-Stadt Herne gedauert – so lange hat die Exekutive mit mehreren Hundertschaften nach dem "ungewöhnlichen, gefährlichen, brutalen Täter" gejagt, wie der Dortmunder Polizeipräsident am Freitag sagt. Marcel H., jener 19-Jährige, der einen neunjährigen Nachbarsjungen mit insgesamt 52 Messerstichen ermordet und sich damit im Internet gebrüstet hatte, hat sich am Vorabend gestellt.

"Er hat in einem Imbiss selbst um ein Telefon gebeten", sagt der zuständige Staatsanwalt Danyal Maibaum – und er sei nicht nur im Fall des Jungen geständig gewesen, sondern auch in einem zweiten Mord. Unweit des Imbisses hat Marcel H. einen 22-Jährigen mit 68 Messerstichen ermordet; die beiden kannten sich weitläufig.

"Heimtückisch und aus Mordlust" habe Marcel H. gehandelt, sagt Maibaum. Die Nacherzählung der Ermittler bestätigt das nur zu gut: Den Plan, den Nachbarsjungen zu ermorden, habe er nach einem erfolglosen Suizidversuch gefasst – "um in den Knast zu kommen", weil er wegen der Absage einer Bewerbung bei der Bundeswehr und eines nicht funktionierenden Internetzugangs frustriert gewesen sei. Nach der Tat habe er versucht, bei seinem 22-jährigen Berufsschul-Bekannten unterzukommen; als der ihn nach einiger Zeit mit dem Mord an dem Neunjährigen in Zusammenhang brachte, habe er ihn umgebracht – mit 68 Messerstichen.

"Fake-Bilder"

Danach habe er zwei Tage gewartet und schlussendlich die Wohnung in Brand gesetzt. Warum, ist nicht ganz klar: "Er redet viel. Aber er ist eiskalt und emotionslos", sagt der Klaus Lipphaus, der leitende Ermittler. Auch von der zweiten Tat habe Marcel H. Fotos gemacht, ebenso wie von der ersten. Wie die Bilder allerdings ins Internet gelangt sind, ist für die Polizei noch nicht nachvollziehbar: Der Tatverdächtige bestehe darauf, nichts damit zu tun zu haben – er habe zwar die Bilder mit Handy und mitsamt Sprachnachrichten an Bekannte versendet, ins Netz hochgeladen habe er sie aber nicht. Dazu kritisierte die Polizei, dass im Zuge der Fahndungen auch andere, gefälschte Fotos im Netz kursierten – diese "Fake-Bilder" hätten die "Ermittlungen massiv gestört".

Ob Marcel H. schuldfähig ist, wollte man am Freitag nicht sagen. "Er war ein auffälliges Kind", so die Ermittler; seit seinem Berufsschul-Abgang 2016 wird er als orientierungslos und arm an sozialen Kontakten beschrieben. Dass er weitere Morde begangen haben könnte, glaubt man jedoch nicht: "Derzeit können wir ausschließen, dass es weitere Opfer gibt."

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