Chronik | Welt
15.09.2017

Manning als Dozentin in Harvard – geht gar nicht

Weil die Whistleblowerin eingeladen worden war, sagte der CIA-Direktor ab.

Die Elite-Universität Harvard hat einer "Verräterin Amerikas" eine Gastdozentenstelle angeboten. Jener Chelsea Manning, die der Enthüllungsplattform Wikileaks vor Jahren rund 700.000 geheime Dokumente des US-Militärs zugespielt hatte. Wikileaks ist für CIA-Direktor Mike Pompeo ein "feindlicher Geheimdienst" – und so sagte er aus Empörung einen lange geplanten Auftritt ab und feuerte schwere Salven gegen die Harvard-Leitung der Kennedy School of Gouvernment.

Seine Absage habe nichts mit der Tatsache zu tun, dass Manning Transgender sei, sondern "alles mit ihrer Identität als Verräterin der Vereinigten Staaten von Amerika". Sie habe Agenten in Gefahr gebracht. "Die Entscheidung vermittelt den Studenten den Eindruck, dass man sowohl Dozentin in Harvard als auch eine in den USA verurteilte Verbrecherin sein kann", monierte Pompeo. Er könne "nicht Teil einer Organisation sein, die einer verurteilten Verbrecherin und Geheimnisverräterin die Ehre erweise". Kurz zuvor hatte Mike Morell, ehemaliger stellvertretender CIA-Direktor, mit einer ähnlichen Begründung seinen sofortigen Rücktritt als Dozent erklärt.

Die Harvard Leitung reagierte umgehend: "Manning als Gastdozentin einzuladen, war ein Fehler", sagte Douglas Elmendorf. "Ich sehe jetzt deutlicher, dass die Menschen den Titel einer Gastdozentin als Auszeichnung begreifen."

Chelsea Manning hatte beim Militär als Analystin gearbeitet und beging den größten Geheimnisverrat in der Geschichte der USA. Dafür wurde sie zu 35 Jahren Haft verurteilt und nach sieben Jahren im Gefängnis erst in seinen letzten Amtstagen von Barack Obama begnadigt.

Manning hätte in Harvard als "kontrovers diskutierte Person" Diskussionen befeuern sollen. Das macht jetzt übrigens auch der frühere Pressesprecher von Donald Trump, Sean Spicer.