Was wusste Cristina von den Geschäften ihres Mannes Iñaki Urdangarin?

© Reuters/MARTI FRADERA

Korruptionsprozess
02/08/2014

Spanien: Königstochter Cristina vor Gericht

Premiere in Spanien: Zum ersten Mal muss ein Royal sich einem Verhör stellen.

von Alexandra Uccusic

Ein Auftritt, den sich Cristina wohl gerne erspart hätte: Heute, Samstag, wird die Königstochter als Verdächtige vor Gericht vernommen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der spanischen Monarchie, dass ein unmittelbarer Nachkomme des Königs sich einem solchen Verhör stellen muss. Der 48-jährigen Prinzessin werden Steuerbetrug und Geldwäsche vorgeworfen.

Das Gelände rund um das Gerichtsgebäude mitten im Zentrum von Palma de Mallorca war bereits Tage vor Cristinas Vernehmung weiträumig abgesperrt. Mehr als 200 Polizisten sorgen für die Sicherheit der Infantin. Sie sollen die zweitälteste Tochter von König Juan Carlos vor aufgebrachten Bürgern und Monarchie-Gegnern schützen.

Finanzskandal

Richter José Castro will von Cristina erfahren, inwieweit sie in den Finanzskandal um ihren Ehemann Iñaki Urdangarin, 46, verwickelt war. Der frühere Handballstar steht im Verdacht, als Präsident einer gemeinnützigen Stiftung rund sechs Millionen Euro an öffentlichen Geldern in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

Um das Geld am Fiskus vorbeizuschleusen, hatte Urdangarin laut den Vorwürfen eine Scheinfirma namens Aizoon gegründet, an der Cristina als Hälfteeigentümerin beteiligt ist. Dem Richter liegt ein Mietvertrag vor, in dem die Infantin für die Firma Aizoon Räume in ihrer eigenen Villa in Pedralbes für 12.000 Euro im Jahr anmietet. Als Teilhaberin von Aizoon und Besitzerin des Stadtpalastes unterzeichnete sie gleichzeitig als „Mieterin“ und „Vermieterin“.

Shoppen und Safaris

Die Prinzessin gab zudem mit einer Visa-Goldkarte von Aizoon mehr als acht Jahre lang Zigtausende von Euros für diverse private Dinge aus – Kinderkleidung, Harry-Potter-Bücher, Blumen. Doch sie verwendete die Karte auch für teure Gourmet-Essen und Safaris in Südafrika, wie aus Kontoauszügen hervorgeht. Und auch die 8000 Euro, die angeblich ein Rhetorikkurs für sie und ihren Mann kostete, zahlte Cristina mit der Firmen-Karte.

Um die Infantin auf die Fragen des Richters vorzubereiten, hatten Cristinas Anwälte die Vernehmung laut der Zeitung El País mit ihrer Mandantin immer wieder durchgespielt. Für Cristina soll es beim Verhör angeblich hundert Fragen geben. José Castro gilt als in der Sache knallharter, erbarmungsloser Richter.

Kritik am Königshaus

Sollte sich herausstellen, dass die 48-jährige Königstochter schuldig ist, könnten ihr bis zu elf Jahre Haft drohen. In jedem Fall ist Cristinas Ruf in der Öffentlichkeit ziemlich ruiniert. Der Skandal um ihren Ehemann hat bereits maßgeblich dazu beigetragen, dass die Popularität des Königshauses auf einen historischen Tiefststand gesunken ist. Doch im Mittelpunkt der Kritik steht immer noch König Juan Carlos mit angeblichen Seitensprüngen, überteuerten Safaris und generell zu hohen Ausgaben. 62 Prozent der Menschen im krisengebeutelten Spanien sprachen sich jüngst für seine Abdankung aus.

Juan Carlos bemüht sich nun durch Einsparungen und mehr Transparenz zumindest um Schadensbegrenzung. Jüngst legte er seine Finanzen offen: Das Gesamtbudget des Königshauses für das Jahr 2014 beträgt 7,8 Millionen Euro – um 2,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Immerhin.

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