Trauernde Menschen vor der Konzerthalle Bataclan in Paris

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Jahrestag der Anschläge
11/13/2016

IS schult Kämpfer für Asyl in der EU

Paris gedachte ein Jahr nach der Terrorattacke auf das Bataclan der Opfer, Deutschland warnt vor eingeschleusten Dschihadisten.

Während in Paris der 130 Opfer der islamistischen Anschläge vor einem Jahr gedacht wurde, warnt der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND): IS-Terroristen tauchen zwischen Flüchtlingen ab – die Terrormiliz "Islamischer Staat" schule Kämpfer, damit sie Asyl beantragen können. Dies berichtet die deutsche Zeitung WeltN24.

Der mutmaßliche Bombenbauer von Paris ist laut dem Bericht weiter auf der Flucht. Der Mann soll im Oktober 2015, getarnt als Flüchtling, über die Balkanroute nach Österreich und Deutschland gereist sein. Salah Abdeslam, einer der Täter, soll den Bombenbauer und zwei weitere Männer in einem Hotel in Ulm abgeholt haben, so die WeltN24. Bis heute ist dieser Mann verschwunden.

Gefahr bleibt groß

Offenbar kamen alle neun Paris-Attentäter als Flüchtlinge getarnt nach Europa. Eine aktuelle BND-Warnung deutet darauf hin, dass die Gefahr eingeschleuster IS-Kämpfer offenbar weiterhin groß ist. Laut dem Hinweis von Ende Oktober bereitet der IS seine Kämpfer gezielt darauf vor, unter den vielen Flüchtlingen unterzutauchen, berichtet die WeltN24. So wird etwa ihr Verhalten trainiert, um bei Polizeibefragungen nicht aufzufallen oder beim Stellen eines Asylantrags als Flüchtling anerkannt zu werden.

Zahlen aus Österreich

In Österreich geht aus einer aktuellen parlamentarischen Anfrage hervor, dass mit Stand 30. September 2016 bei 287 gewöhnlich in Österreich aufhältigen beziehungsweise aufhältig gewesenen Personen Hinweise vorlagen, die nahelegen, dass sie ins Konfliktgebiet Syrien/Irak gereist sind, zu reisen beabsichtigen oder daran gehindert wurden, um sich einer dschihadistischen Gruppierung anzuschließen. Etwa 40 Prozent dieser Personen sollen laut der Anfragebeantwortung durch das Innenministerium Asylberechtigte sein.

Die Welt am Sonntag erfuhr aus Ermittlungsakten darüber hinaus, dass die Terroristen am 13. November 2015 nicht nur in Frankreich, sondern auch in den Niederlanden ein Attentat verüben wollten. Neben der "Französischen Gruppe", die die Konzerthalle Bataclan in Paris attackierte, und der "Irakischen Gruppe", die vor dem Fußballstadion zuschlug, gab es noch die "Metro Gruppe" und die "Flughafen Gruppe". Laut Ermittlern sollte die "Metro Gruppe" einen Anschlag in der Pariser U-Bahn verüben. Die "Flughafen Gruppe" dürfte den Amsterdamer Flughafen Schiphol als Ziel gehabt haben, so der Bericht. Zwei Terrorverdächtige, die inzwischen in Belgien in Haft sitzen, sollen demnach am 13. November 2015 per Fernbus nach Amsterdam gefahren sein. Sie checkten mit falschen Identitäten in einem Hotel beim Airport ein. Warum sie kein Attentat verübten, ist unklar.

Beim Gedenken an die Opfer in Paris enthüllte Frankreichs Präsident Francois Hollande vor dem Bataclan und an anderen Orten der Attentate Gedenktafeln und legte Kränze nieder. Auf den Marmortafeln ist zu lesen: "In Erinnerung an die verletzten und ermordeten Opfer der Anschläge des 13. November 2015".

Schweigeminuten

Es waren die bisher schwersten Anschläge in Frankreich. Überall wurden Schweigeminuten eingehalten und die Namen der Opfer verlesen. Auch Angehörige und Passanten legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Der Sohn des ersten Opfers der Anschläge erinnerte vor dem Stadion an seinen Vater Manuel Dias. Er schloss seine Ansprache mit den Worten: "Es lebe die Toleranz, es lebe die Intelligenz, es lebe Frankreich." Mittelfeldspieler Blaise Matuidi sagte: "Wir werden diese Tragödie nie vergessen."

Präsident Hollande, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und Premierminister Manuel Valls drückten den Angehörigen ihr Beileid aus und dankten der Polizei und den Rettungskräften für ihren Einsatz.

Ausnahmezustand

Die Gedenkfeiern fanden unter hohem Sicherheitsaufgebot statt. Hunderte Polizeikräfte sicherten die Orte. In Frankreich gilt seit den Attentaten der Ausnahmezustand. Manuel Valls sagte, die Maßnahmen würden voraussichtlich im Jänner ein weiteres Mal um mehrere Monate verlängert. In Frankreich finden im April und Mai Präsidentschaftswahlen statt.