Inder von Meteorit erschlagen: "Nicht sehr wahrscheinlich"

INDIA-SCIENCE-GEOLOGY-ACCIDENT
Foto: APA/AFP/STR Am Mini-Krater im Schulhof: Hier soll ein Busfahrer von einem Meteoriten erschlagen worden sein

Die Infos passen laut Experten "hinten und vorne nicht zusammen".

Christian Köberl, der Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien, ist ein Meteoritenforscher mit Weltruf. Er hält es für höchst unwahrscheinlich, dass ein indischer Busfahrer im Garten vor einer Ingenieursschule in einem Dorf nahe der Stadt Vellore im südindischen Tamil Nadu von einem Meteoriten erschlagen wurde. Drei Gärtner wurden angeblich verletzt.

Christian Köberl Foto: KURIER/Franz Gruber Christian Köberl Es wäre das erste Mal, dass ein Mensch von einem Gesteinsbrocken aus dem All erschlagen worden wäre.

Dokumentiert ist der Fall von Ann Hodges in Sylacauga in Alabama, USA. Die etwas fettleibige Lady lag am 30. November 1954 um 13.46 Uhr auf ihrer Couch, als ein Gesteinsbrocken kosmischen Ursprungs ihr Dach durchschlug und ihren Oberschenkel traf. Der grapefruitgroße Brocken verursachte einen heftigen Bluterguss. Ann Hodges (1920–1972) wurde in Fachkreisen ziemlich berühmt. Der Sylacauga-Meteorit wird im Naturhistorischen Museum von Alabama ausgestellt.

Am 14. August 1992 um 12.40 Uhr kam ein kleiner Bub in einen Meteoritenregen in Mbale in Uganda. Er wurde von einem vier Gramm schweren Stein getroffen und erlitt eine Beule. Diese Fall ist von der NASA ganz genau dokumentiert.

Die tragische Sensation in Indien muss erst genau untersucht werden. Doch nach bisherigen Erkenntnissen zweifeln die Experten an der Größe des Lochs im Boden und der angeblich dunkelblauen Farbe des Festkörpers. "Das passt hinten und vorne nicht zusammen", sagt Christian Köberl. Meteoriten sind nicht blau, sondern braun, grau oder schwarz. Bis Dienstagnachmittag hielt er alle Informationen für "inkoherent, ungenügend und widersprüchlich".

Lange Expeditionen

Dabei ist es schon richtig, dass fast ständig Meteoriten auf die Erde fallen. Meistens merkt das kein Mensch, weil es so kleine Stücke sind, die die Forscher dann in langen Expeditionen zum Beispiel in den Wüsten Australiens suchen.

Den 40-Jährigen Busfahrer soll ein elf Gramm schwerer Stein, der aussieht wie ein Diamant, getroffen haben. Zeugen wollen Geräusche gehört haben, die sie noch nie gehört haben. Außerirdische Geräusche halt. "Da war kein Feuer, kein Geruch, nichts", sagt der Schulleiter Baskar.

Es könnte aber auch etwas Banaleres als Weltraumschrott vom Himmel gefallen sein. In Spanien kam einmal blaues Eis geflogen, es kam aus einer Flugzeugtoilette.

Die Trauer um den Busfahrer ist groß, auch weil die Geschichte dazu so unwahrscheinlich ist. Seine Witwe soll von der Regionalregierung Geld erhalten.

(kurier) Erstellt am
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