Chronik | Welt
01.12.2017

In Japan beginnt neue Zeitrechnung: Kaiser Akihito übergibt Thron

Der Tenno ist gesundheitlich angeschlagen. Die Krönung seines Sohnes 2019 stellt das Land vor große Aufgaben.

Es ist ein historischer Schritt, mit dem in Japan eine – im wahrsten Sinne – neue Zeitrechnung beginnt: Als erster Monarch des Landes seit rund 200 Jahren wird der gesundheitlich angeschlagene Kaiser Akihito in eineinhalb Jahren abdanken.

Mehrmals war über das Vorhaben schon berichtet worden, allerdings gab es keinen konkreten Termin. Nun teilte der Hofrat mit: Am 30. April 2019, gut 30 Jahre nach seiner Krönung, zieht sich der heute 83-jährige Akihito zurück. Nachfolger auf dem Chrysanthemen-Thron wird sein ältester Sohn, Kronprinz Naruhito (57).

"Heisei 31"

Die japanische Zeitrechnung, die bis heute im Alltag gebräuchlich ist, richtet sich nach der Amtszeit des regierenden Monarchen. In Formularen werden oft nicht arabische, sondern japanische Jahreszahlen verwendet.

Dementsprechend endet die Regentschaft Akihitos, die den Namen "Heisei" ("Frieden schaffen") trägt, 2019 im Jahr "Heisei 31". Den Namen der neuen Ära verkündet die Regierung bereits 2018. Das gibt Behörden und Wirtschaft Zeit, sich vorzubereiten.

Einsatz für das Volk

Akihito war der erste Tenno ("Himmlischer Herrscher"), der nicht mehr als "Gott" galt. Laut Nachkriegsverfassung muss sich der Kaiser auf die Rolle als Symbol der nationalen Einheit beschränken.

Die Bevölkerung verehrt ihn dennoch, auch wegen seines Einsatzes für das Land. So setzt er sich etwa mit seiner Frau, Kaiserin Michiko, für Opfer von Naturkatastrophen ein, etwa nach dem Tsunami 2011. Er besucht auch Altersheime und Einrichtungen für Behinderte.

Politische Macht hat der Tenno keine, er übt dennoch immer wieder indirekt Kritik an Politikern, die Japans Kriegsvergangenheit rechtfertigen, und gilt als Verfechter der pazifistischen Verfassung.

"Nachlassende Kräfte"

2003 erkrankte der Tenno an Prostatakrebs, später kamen stressbedingte Leiden und eine Bypass-Operation dazu. 2016 gab Akihito per Video-Botschaft zu erkennen, angesichts seiner nachlassenden Kräfte abdanken zu wollen – was das Parlament später per Sondergesetz erlaubte.

Das befeuerte die langjährige Debatte über die Nachfolgeregelung im Kaiserhaus. Laut den heutigen Gesetzen dürfen nur Männer den Thron besteigen. Nach Naruhitos jüngerem Bruder Akishino und dessen zehnjährigem Sohn Hisahito gibt es derzeit keine weiteren männlichen Thronerben.