Chronik | Welt
12.03.2013

Rosenkrieg bringt Ex-Minister ins Gefängnis

Eine Seifenoper wie aus einem D-Movie hat die Karrieren zweier britischer Top-Leute für immer zerstört.

Chris Huhne, 58, der frühere Energieminister der liberalkonservativen Koalition unter Premier David Cameron, und seine Ex-Frau Vicky Price, 61, eine anerkannte Ökonomin, wurden am Montag zu jeweils acht Monaten Haft verurteilt. Der Richter kannte keine Gnade, auch wenn der Fall „Elemente einer Tragödie“ enthalte. Dies sei aber die Schuld des zerstrittenen Ex-Paares.

Ihr Vergehen: Huhne war 2003 wegen Raserei geblitzt worden und hatte seiner damaligen Frau die drei Raserpunkte zugeschanzt, weil er seinen Führerschein nicht abgeben wollte.

Ein Familiengeheimnis, das nach der Scheidung 2011 aus Rache der betrogenen Ehefrau öffentlich wurde. Der Minister hatte sich nach 26 Ehejahren in eine Mitarbeiterin verliebt. Vicky Price wollte daraufhin Revanche und gab Interviews über das Verkehrsdelikt. Einer Journalistin der Sunday Times erklärte sie: „Ich möchte ihn fertigmachen.“

Das gelang ihr ziemlich gut: Im Februar 2012 musste Chris Huhne, der Lüge überführt, zurücktreten. Doch die Justiz gab jetzt erst richtig Gas, und so landete auch Vicky Price als Komplizin ihres Ex-Mannes wegen Täuschung der Justiz auf der Anklagebank.

Fassungslos verfolgten die Briten dann eine öffentlich ausgetragene Schlammschlacht: Belastende eMails und wütende SMS des Teenager-Sohnes an den lügenden Vater wurden in vielen Medien abgedruckt. Vor Gericht erklärte Price, dass sie von ihrem Mann zu einer Abtreibung gezwungen worden war. Die beiden ehemaligen Stars der Politszene trieben einander immer tiefer ins Desaster – aus dem aufstrebenden Liberalen wurde ein herzloser, liebestoller Karrierist und aus der glänzenden Ökonomin und Sozialdemokratin eine rachedurstige Furie. In Onlineforen wird jetzt diskutiert, dass beide schon genug gestraft sind, und nicht auch noch ins Gefängnis sollten. Doch der Richter sah keinen Grund zur Milde. Huhne trat seine Strafe bereits an.