Chronik | Welt
22.11.2017

Frankreich: Rauchverbot im Film français?

Gesundheitsministerin überlegt Maßnahmen, Kritiker fürchten um die Kreativität.

Die Kunst soll bald rauchfrei werden und damit kreative Grenzen setzen. Seit einer Woche wird in Frankreich ernsthaft über ein Rauchverbot im französischen Film diskutiert. Aber kann man sich Jean-Claude Belmondo ohne Tschick vorstellen, oder Catherine Deneuve ohne Zigarette? Oder Jeanne Moreau? Und wie wollte man das Leben von Serge Gainsbourg ohne Zigarette verfilmen?

Als in der Vorwoche über das Budget für die Sozialversicherung diskutiert wurde, erinnerte die sozialistische Senatorin Nadine Grelet-Certenais an den Kampf gegen Tabakkonsum. Sie schlug vor, dass man sich künftig nicht allein auf die regelmäßige Erhöhung des Zigarettenpreises verlassen sollte, sondern als wichtige Präventivmaßnahme gleich die Zigaretten auch von der Leinwand verbannen müsse. Der Anreiz zu rauchen werde gerade durch französische Filme gefördert.

Kult-Accessoire

Die französische Krebsstiftung hat dazu eine Studie vorgelegt: 70 Prozent der neuen französischen Filme zeigen mindestens einmal eine rauchende Person. Von den alten Filmen muss man gar nicht erst reden. Denn das französische Kino hat die Zigarette als Kult-Accessoire.

Gesundheitsministerin Agnes Buzyn unterstützt diesen Vorstoß und kündigte einen "zweiten nationalen Plan zur Verringerung des Rauchens" an. Die Ministerin will eine "Denormalisierung der Wahrnehmung von Tabak in der Gesellschaft" erreichen. Ihre Aktion soll sich auf Serien und Filme im Internet stützen. Kritiker sprechen bereits von Zensur, fürchten bereits um das nationale Erbe, zu dem ganz besonders auch das Kino gehört. Das Verbot der Darstellung von Zigaretten auf dem Bildschirm könne gravierende Folgen für die Kreativität der Filmemacher haben. Der Charme des französischen Films wäre nicht mehr der gleiche.

In Frankreich ist es noch nie gelungen, der Tabakplage ein Ende zu setzen. Obwohl in Lokalen ein Rauchverbot gilt, wird in allen Bistros gequalmt. Nämlich ganz offiziell – im Freien. Denn die überdachten und beheizten Vorgärten sind ja im Freien und daher auch im Winter voll besetzt, während dahinter (im Rauchverbot) oft gähnende Leere herrscht. Der Franzose lässt sich nicht unterkriegen.