Ein Schiffswrack als Hotspot für Taucher im Roten Meer vor der ägyptischen Küste.

© APA/EPA/SERGEY DOLZHENKO

Wracktauchen
06/18/2016

Flugzeuge und Schiffe als künstliche Riffe

Um Tauch-Touristen anzulocken, wird viel versenkt – vom Airbus bis zur Autofähre.

von Alexandra Uccusic

Lebensraum wird knapp – auch unter Wasser. Schiffe, die als künstliche Riffe versenkt werden, können da Abhilfe schaffen und für Fische und anderen Meerestiere zur Behausung und zum Jagdgebiet werden. Und abenteuerlustige Hobbytaucher finden an derartigen Riffen mitunter einen Artenreichtum vor, der angesichts des Korallensterbens vielerorts einfach nicht mehr vorhanden ist.

Wracktauchen erfreut sich zunehmender Beliebtheit, und auf zahlreichen Tauch-Websites finden sich Tipps für die "besten" Schiffswracks der Welt. Es muss aber nicht unbedingt ein Schiff sein: Die türkischen Behörden versenkten vor rund zwei Wochen in einem Touristengebiet an der Ägäis einen Airbus A-300, um den Tauchsport zu fördern. Das Flugzeug mit einer 44 Meter Flügelspannweite und 54 Meter Länge wurde vor Kusadasi auf Grund gelassen. Auch dieses Wrack funktioniert wie ein künstliches Riff und zieht Flora und Fauna an. Das Ganze soll helfen, Touristen in Zeiten angespannter Sicherheitslage anzulocken. In der Vergangenheit gab es in der Türkei schon ähnliche Projekte mit kleineren Flugzeugen.

Hotspots

Im Mittelmeer und anderen Ozeanen gibt es an manchen Stellen gleich Dutzende künstliche Riffe – ausgediente Schiffe und Flugzeuge, die eigens für Tauchtouristen versenkt wurden. Auch verunglückte oder im Krieg gesunkene Schiffe und Flugzeuge können zum Hotspot für Sporttaucher werden. Viele Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg gibt es etwa vor den Marshallinseln im Zentralpazifik. Und im Roten Meer, seit der Eröffnung des Suezkanals eine wichtige Handelsroute, finden sich unzählige Wracks von Schiffen, denen Untiefen oder Rifflandschaften zum Verhängnis wurden. Viele dieser Wracks sind ein beliebtes Ziel für Sporttaucher.

Auch rund um die Mittelmeerinsel Malta liegen zahlreiche Schiffe, Kampfflugzeuge und U-Boote auf Grund. Doch meist sind sie zu weit weg von der Küste und in zu großer Tiefe, um für Hobbytaucher geeignet zu sein. So wurden ganz gezielt Schiffe wie etwa eine alte Autofähre in seichterem Wasser versenkt.

Fische anlocken

Die ersten vorsätzlich angelegten künstlichen Riffe entstanden im 17. Jahrhundert in Japan – so sollten Fische angelockt und die Algenernte erleichtert werden. Projekte für künstliche Riffe scheitern aber auch immer wieder: In den 70er-Jahren wurden zwei Millionen alte Reifen vor Fort Lauderdale, Florida, versenkt. Der Reifenberg wurde zur gigantische Müllhalde, wo sich weder Korallen noch Fische ansiedeln wollten.

Schiffswracks hingegen sind bei Fischen beliebt, manchmal stellen sich gleich nach dem Versenken die ersten Bewohner ein. Doch es gibt auch Probleme mit künstlichen Riffen: Metall korrodiert und kontaminiert das Wasser; der Lack blättert ab, und festgewachsene Tiere und Pflanzen finden keinen dauerhaften Halt. Viele Meeresbiologen meinen, dass Wracks keinen adäquaten Ersatz für natürliche Riffe darstellen. Weil sie aber Hobbytaucher anziehen, sind sie zumindest eine Entlastung für die natürlichen Riffe.

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