Chronik | Welt
21.07.2017

Altstadt von Kos ist ein Trümmerfeld

Zwei Tote, 120 Verletzte. Die zerstörten Häuser waren nicht erdbebensicher gebaut.

Um 1.31 Uhr waren die Bars voller junger Menschen, als plötzlich die Erde bebte. Die Hauptstadt der griechischen Insel Kos wurde von einem Seebeben heimgesucht, das die Altstadt in Trümmer legte. Ein junger Schwede und ein Türke kamen ums Leben, 120 Menschen wurden verletzt, fünf davon schwer. Sie wurden in ein Krankenhaus nach Heraklion gebracht.

Österreicher hatten Glück

Die 315 Österreicher auf Kos hatten offenbar alle Glück. Etwa eine Gruppe freiwilliger Feuerwehrmänner aus dem steirischen Hadersdorf/ Kindberg. Eigentlich hatten sie vorgehabt, den Abend in der später so schwer beschädigten Altstadt von Kos zu verbringen, doch dann gingen die Männer, die alle drei Jahre gemeinsam verreisen, doch lieber früher schlafen. Sie wurden durch wildes Schütteln aufgeweckt. "Das Bett hat gerüttelt, die Wände, das ganze Zimmer", sagt Markus Zelisko, 38, ein ehemaliger SP-Landtagsabgeordneter aus dem Mürztal.

Christa Sulzer aus Klagenfurt wurde "mitten in der Nacht durch ein lautes Krachen und Rumoren aus dem Schlaf gerissen. Unser Haus hat sehr, sehr stark gewackelt. Beim Versuch, zum Balkon zu eilen, bin ich sogar zu Sturz gekommen. Niemand hat sich ausgekannt, was da eigentlich passiert", sagt sie am Telefon.

Am Freitag durfte sie ihr Appartement, rund sechs Kilometer außerhalb der Stadt Kos, wieder beziehen. Der Balkon hat schwere Risse. "Insofern passt es, dass wir (ihr Sohn und ihr Lebensgefährte, Anm.) am Samstag die Heimreise antreten."

Andreas Ilks viereinhalbjähriger Sohn Simon verschlief das Erdbeben. "Zum Glück", sagt der Linzer Berufsfeuerwehrmann. Er, seine Frau und sein älterer Sohn hätten aber bis halb fünf Uhr Früh nicht mehr schlafen können. 15 kleinere Nachbeben zählte der Feuerwehrmann, der wegen Simon in seinem Hotelzimmer an der Südküste der Insel blieb. "Es war ein Grollen, dann kam ein Schütteln von der Dusche und ein Klimpern von Geschirr. So eine Erdbebennacht wünsche ich keinem." Ilk fühlt sich aber in seinem Hotel sicher. "Wenn sich die Lage nicht ändert, bleiben wir wie geplant bis Montag."

Erdbebenzone

Die griechische Insel Kos ge-hört zur Inselgruppe der Dodekanes vor der türkischen Küste. Hier verläuft eine Erdbeben-zone in der Ägäis. Das Epizentrum des Seebebens der Stärke 6,7 (laut US-Erdbebenwarte USGS) lag nahe der türkischen Stadt Bodrum, wo die Stromversorgung teilweise zusammenbrach, aber sonst kaum Schäden registriert wurden. Eine kleine Tsunami-Welle traf den Yachthafen von Kos, wo mehrere Boote auf die Kaimauer gespült wurden. Weil der Flughafen in Betrieb war, dürfen Kos-Urlauber ihre Reise nicht stornieren, sagte eine Sprecherin von Ruefa.

Die beschädigten Gebäude stammen aus einer Zeit, als Erdbebensicherheit in Griechenland kein Thema war.