Chronik | Welt
23.03.2018

Ein Dorf macht sich unabhängig

In Holland wird ein autarkes Dorf geplant: Essen aus dem Gewächshaus, eigener Strom und Wasser aus dem Brunnen.

Das Essen, gezogen in Gewächshäusern vor der eigenen Haustür, der Strom aus erneuerbaren Energien, das Wasser direkt in der Nachbarschaft gesammelt und der Müll kaum vorhanden, da es eine beinahe komplette Kreislaufwirtschaft gibt. Klingt fantastisch und altmodisch.

Doch in der Nähe der niederländischen Stadt Almere soll dieser Traum wahr werden. Hier entsteht das erste sogenannte ReGen-Dorf: ein regeneratives Dorf, das völlig unabhängig von der Weltwirtschaft funktionieren soll. Hypermodern.

Der Erfinder der ReGen-Dörfer ist der Amerikaner James Ehrlich von der Standford Universität. Er hat zusammen mit dem dänischen Architektenbüro EFFEKT das autarke Dorf entwickelt. Ein Projekt, das mit Auszeichnungen überschüttet wurde.

6500 Bewerber

Für das Dorf bei Almere, das nur 25-Zug-Minuten von Amsterdam entfernt liegt haben sich bereits 6500 Bürger beworben. In Dänemark, Norwegen und Deutschland sind ebenfalls autarke ReGen-Dörfer in Planung.

Im Prinzip werden bereits bekannte Technologien intelligent miteinander verbunden. Dazu gibt es vier Bereiche: Nahrungsmittel-, Wasser- und Energieversorgung und selbstverständlich die Abfallwirtschaft.

Mit den Ressourcen wird sparsam umgegangen. Denn die Produktionsstätten greifen ineinander: jahreszeitabhängige Gärten, beheizte Gewächshäuser, vertikale Farmen, Viehzucht und Aquaponik mit 120 Quadratmetern Nutzfläche.

Bei der Aquaponik handelt es sich um eine Fischzucht, die mit Pflanzenkultivierung aus der Hydrokultur kombiniert wird, indem die Exkremente des Fisches als Dünger für die Pflanzen verwendet werden. Die Fische sollen mit Fliegenlarven gefüttert werden.

Da sich die Fliegen genauso wie die zur Fleischproduktion gehaltenen Nutztiere von kompostiertem Abfall ernähren, überschneiden sich die Kreisläufe der Nahrungsmittelproduktion und der Müllentsorgung.

Der gesamte Energiebedarf des Dorfes soll durch Solaranlagen und Biogasanlagen abgedeckt werden. Auch der unkompostierbare Restmüll wird verbrannt und soll Energie liefern.

Selbstverständlich muss auch das Regenwasser genutzt werden – gefiltert für die Trinkwasserversorgung und ungefiltert. Dazu wird es Brunnen geben. Mithilfe modernster Technik wollen die Macher des ReGen-Dorfes einen zehnfachen Ernteertrag erzielen und gleichzeitig 90 Prozent weniger Wasser verbrauchen.

Wenig Landverbrauch

Für eine dreiköpfige Familie sind nur 639 Quadratmeter Land Nutzfläche eingeplant. Für einen vergleichbaren Ertrag braucht man normalerweise mindestens 8100 Quadratmeter.

James Ehrlich will sich mit seiner Dorf-Idee von der globalisierten Welt zurück in die Unabhängigkeit entwickeln. Er glaubt, dass sich diese kleinbäuerliche Idylle auch im Handy- und Computerzeitalter massenhaft durchsetzen kann, weil das Leben dadurch schöner wird. Autos sind in diesem Dorf der Zukunft nicht erwünscht.