In diesem - frei zugänglichen - Teich ertranken die Kinder

© APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Deutschland
06/19/2016

Drei Kinder ertrunken: Ein Ort trägt Trauer

Ein elfjähriger Bub fand seine Geschwister – fünf, acht und neun Jahre alt – in einem Löschteich.

von Alexandra Uccusic

Nach dem Tod von drei Kindern in einem Löschteich herrscht im nordhessischen Neukirchen stille Trauer. Die Menschen im Ort sind fassungslos – wie konnte das geschehen?

Das "halbe Dorf" habe an der Suche nach den Kindern mitgewirkt, berichtet eine Augenzeugin: "Alle waren in heller Aufregung", sagt die Frau, die die Kinder persönlich kannte. "Das ganze Dorf steht unter Schock." Bei der Messe wird der ertrunkenen Geschwister gedacht, und der Pfarrer betont, dass sich "unmögliches Leid" über das Dorf gelegt habe. Menschen legen Blumen und Stofftiere am Teichufer nieder.

Die drei Geschwister Yassin, 9, Shirin, 8, und Rebba, 5, waren am Samstag plötzlich verschwunden: Laut Informationen der Bild-Zeitung war die Mutter gerade in der Küche und kochte. Onkel Jamel B. berichtet: "Die Kleinen spielten im Garten, sie hatte die Kinder im Blick." Als sie die drei plötzlich nicht mehr sah, bat sie ihren Sohn Yussuf, 11, seine Geschwister zu suchen.

Yussuf entdeckte den fünfjährigen Rebba schließlich im Löschteich treibend. Daraufhin alarmierte er Menschen in der Nachbarschaft. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Taucher, die nach den anderen Kindern suchten, konnten die achtjährige Shirin und den neunjährigen Yassin nur noch tot bergen.

Fieberhafte Suche

Polizei, Feuerwehr und Freiwillige hatten fieberhaft nach den Kindern gesucht. Die Ermittler sprachen von einem Unglück und schlossen Fremdverschulden aus. An dem Teich steht ein Warnschild: "Teichanlage. Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder." Ob die Eltern womöglich ihre Aufsichtspflicht verletzt hatten, konnte ein Polizeisprecher zunächst nicht sagen. Er äußerte sich auch nicht zu der Frage, ob die Kinder schwimmen konnten.

Bürgermeister Klemens Olbrich erklärte, im Ort herrsche "große Betroffenheit". Noch nie sei so etwas an dem nicht eingezäunten Teich passiert. Die betroffene Familie zog laut Olbrich vor einem Jahr aus Saarbrücken nach Hessen; sie hat einen syrisch-kurdisch-türkischen Hintergrund. Die Kinder wurden in Deutschland geboren.

In den vergangenen Wochen und Monaten ertranken in Europa immer wieder Kinder in Badeteichen oder in Schwimmbecken: Erst am Donnerstag starb ein Siebenjähriger im Bezirk Mattersburg, Burgenland. Der Bub war im Pool seiner Eltern untergegangen. Anfang Juni ertrank eine Siebenjährige aus Berlin bei einer Klassenfahrt in einem Brandenburger See. Im Mai ertrank ein Achtjähriger in einem See in Bremen, und in Schleswig-Holstein fiel ein neunjähriges Kind in einen Teich und starb. Ende März fanden Eltern ihren zweijährigen Sohn in Baden-Württemberg tot in einem Gartenteich in der Nachbarschaft.

Gefahren für Kinder

90 Prozent aller tödlichen Badeunfälle passieren bei Kindern unter fünf Jahren, selbst wenn sie unter Aufsicht von Erwachsenen in Hör- und Sichtweite sind, heißt es beim Österreichischen Jugendrotkreuz. Daher sei es wichtig, schon im Kindergartenalter schwimmen zu lernen.

Tödliche Gefahren für kleine Kinder lauern schon im flachen Wasser. In Badeseen kann es im Uferbereich einzelne tiefere Stellen geben. Oder zwei, drei Schritte weg vom Ufer wird das Wasser bereits tief. Dann kann es schon zu spät sein. "Kinder ertrinken leise", erklärt der Berliner Rettungsschwimmer Frank Villmow. "Sie schreien nicht um Hilfe wie Erwachsene."

Bei Kleinkindern sind Oberkörper und Kopf im Verhältnis zum Rest des Körpers schwerer. Reichen die Füße nicht mehr auf den Boden, kann der Körper nach vorne kippen. Der Kopf gerät unter Wasser. "Bei kleinen Kindern im Wasser müssen Eltern direkt danebenstehen", sagt Villmow. "Es reicht nicht, wenn sie 50 Meter weiter auf einer Decke sitzen."

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