Diese 115 Männer wählen den Papst

Der Erzbischof von Muenchen und Freising und neu ernannter Kardinal, Reinhard Marx (r.), begruesst am Samstag (20.11.10) im Pete… © Bild: AP/Joerg Koch

Es wird ein langes Konklave geben, sagt Vatikan-Experte Andreas Englisch, die Fronten sind klar, und: „Schönborn spielt eine ganz wichtige Geige“

Aus und vorbei. Ruhestand. Der emeritierte Papst hat sich diese Woche letztgültig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, geht im Castel Gandolfo spazieren, liest theologische Bücher und spielt wieder gerne Klavier.

24 Kilometer weiter nördlich, im Petersdom in Rom, steht der Stuhl Petri leer. 115 Kardinäle arbeiten daran, einen der ihren auf den roten Samt zu hieven (92 weitere Kardinäle sind zum Zuschauen verdammt, weil sie über 80 und damit zu alt sind).

Die 115 wahlberechtigten Kardinäle bringen es auf insgesamt 8143 Lebensjahre, das Durchschnittsalter der Papstmacher liegt somit bei knapp 71 Jahren. Auffällig ist die traditionell große Übermacht der Italiener im Konklave: Fast jeder vierte Entscheidungsträger in Purpur stammt aus Italien.

Die Kardinalsfrage dabei: Schaffen es die Italiener nach 35 Jahren wieder, das höchste Amt im Kirchenstaat an sich zu reißen? Von einem „Überlebenskampf des alten Systems, der sich in diesem Konklave entscheidet“, spricht etwa der Ratzinger-Biograf Andreas Englisch („ Benedikt XVI. – Der deutsche Papst, Bertelsmann 2011): „Über tausend Jahre kamen die Päpste aus Italien. Dann kam der Pole Wojtyła, dann Benedikt. Der Machtanspruch der Italiener ist seither hinfällig.“

Zwei Machtblöcke

„Der Kampf findet zwischen Italienern und Nicht-Italienern statt“, sagt der Vatikan-Experte, „gelingt es den Italienern, einen aus ihren Reihen zum Papst zu küren, wäre das ein Rückschritt und hätte eine stark national dominierte Kirche zur Folge. Setzt sich hingegen der internationale Block durch, käme das einer De-facto-Entmachtung Roms gleich.“

Einen klaren Favoriten haben die „Vaticanisti“, wie die Experten genannt werden, nicht ausgemacht, aber es gibt einige, die sich zum Favoritenkreis zählen dürfen: Auf italienischer Seite sind das Tarcisio Bertone (Nummer 9 in der Grafik), Kardinalstaatssekretär und momentan mächtigster Mann im Vatikan, sowie Angelo Scola (Nr. 52), mächtiger Erzbischof von Mailand und Angelo Bagnasco (Nr. 6), der Präsident der italienischen Bischofskonferenz.

Marc Ouellet (Nr. 90) aus Kanada zählt zum Favoritenkreis, weil er in den 1970er-Jahren in Kolumbien lebte und somit mit der Unterstützung der lateinamerikanischen Kardinäle rechnen darf. Oscar Rodriguez Maradiaga (Nr. 72) aus Honduras, Präsident der Caritas Internationalis, könnte zum ersten lateinamerikanischen Papst gewählt werden, ebenso wie Odilo Scherer (Nr. 76), Erzbischof von São Paulo, Fürsprecher der Armen und Befürworter der stärkeren Einbindung von Laien.

Peter Turkson (Nr. 103), der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, könnte als erster schwarzer Papst in die Geschichte eingehen. Der erst 55-jährige Luis Antonio Tagle (Nr. 111) wäre der erste asiatische Papst.

Bleibt noch Österreichs Kandidat an aussichtsreicher Stelle, Christoph Schönborn (Nr. 51). Über ihn sagt Andreas Englisch: „Er hat die Missbrauchsfälle gut gemanagt. Der spielt eine ganz wichtige Geige im Vatikan.“

Erstellt am 03.03.2013