Die Siesta auf dem Dach oder im Park ist nicht mehr zeitgemäß, finden viele Spanier

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Arbeitszeiten
06/17/2016

Die Spanier wollen die Siesta abschaffen

Von 14 bis 17 Uhr ist Pause, dafür kommen die Menschen oft erst um 21 Uhr nach Hause.

von Susanne Bobek

Spanien ist weltweit ein Sonderfall, die Frage ist nur, wie lange noch. Vor den Parlamentswahlen am 26. Juni hat sich auch der geschäftsführende Ministerpräsident Mariano Rajoy für das Ende der Siesta ausgesprochen. Andere Spitzenkandidaten äußersten sich ähnlich und stellen ein Ende des Arbeitstages um 18 Uhr in Aussicht.

Der Rundfunksender "Cadena Ser" bezeichnete den spanischen Tagesablauf etwa als "kafkaesk". Weil die meisten Menschen spät nach Hause kommen, wird oft nicht vor 21.00 Uhr zu Abend gegessen. Die Hauptsendezeit beginnt im Fernsehen erst um 22.00 oder 22.30 Uhr. Viele berufstätige Mütter sehen ihre Kinder am Abend überhaupt nicht, da die Kleinen früh zu Bett müssen. Mit der Siesta zwischen 14 und 17 Uhr können sie aber auch nichts anfangen, da die Wege von und zum Arbeitsplatz oft zu weit sind.

Bereits vor zehn Jahren wurde die "Vereinigung zur Rationalisierung der Zeiten" (ARHOE) gegründet, die eine zeitliche Anpassung des Tagesablaufs etwa mit den noch sehr späten Büro- und Ladenschließungszeiten an die Gewohnheiten in anderen Ländern Westeuropas fordert. "Was in Spanien passiert, ist nicht normal. Wir haben ein Anrecht darauf, unser Privatleben zu genießen", meinte der 49-jährige Jurist und ARHOE-Präsident Jose Luis Casero. "Wir sind weltweit ein Sonderfall", sagte zum Beispiel Nuria Chinchilla. Nach Angaben der Professorin an der angesehenen Business-School IESE in Madrid schlafen die Spanier deutlich weniger als andere Europäer, was sich negativ auf die Gesundheit der Menschen, aber auch auf die Produktivität der Arbeitnehmer und damit auf die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auswirke. Denn 60 Prozent der Spanier halten "nie" einen Mittagsschlaf und leiden unter Schlafmangel.

Das hängt auch noch mit einem Erbe aus der Nazizeit zusammen. 1942 ließ der Diktator Francisco Franco die Uhren um eine Stunde vordrehen, um sich dem befreundeten Nazi-Deutschland anzupassen. Damals gab es noch keine Klimaanlagen und so flüchteten viele vor der Hitze ins Bett. Jetzt will man die Uhren wieder um eine Stunde zurückdrehen.

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