Die Angst vor dem Olympia-Chaos

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Noch 352 Tage bis zu den Sommerspielen in London. Nach den Krawallen wird das Sicherheitskonzept heftig kritisiert.

Lob. Immer wieder gab es Lob vom IOC für die Verantwortlichen der Olympischen Spiele 2012 in London. Die Vorbereitungen seien "glänzend", viele Sportstätten bereits fertig.

Doch nun das: brennende Häuser, Tote, besorgte Funktionäre, entsetzte Athleten. Das Schlagerspiel England - Niederlande, das im Wembley-Stadion hätte stattfinden sollen, musste abgesagt werden. "Wir konnten die Sicherheit der Fans nicht garantieren", gab Verbandschef David Bernstein zu.

Das IOC und die Olympia-Macher warnen vor Panikmache, doch die Bilder von der "Schlacht um London" (Daily Telegraph) zeigen Wirkung: Die BBC zweifelt an der Olympia-Tauglichkeit der Londoner Polizei.

"Bisher war man auf das Verkehrskonzept für Olympia fokussiert. Jetzt gibt es plötzlich ein sehr heikles, dringendes Problem mit den Unruhen. Und alle fragen: Kann für so viele Menschen bei Olympia die Sicherheit gewährleistet werden?", erzählt England-Legionär Stefan Maierhofer, der für Wolverhampton kickt.

Getrübte Vorfreude

Die Angst geht in der Olympia-Stadt um.
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Bei der pompösen Countdown-Party ein Jahr vor Olympiabeginn hatte der Chef der London-Spiele, Sebastian Coe, noch selbstbewusst gesagt: "Wir sind bereit." Jetzt wird das gesamte Sicherheitskonzept infrage gestellt. Paula Radcliffe, die schnellste Marathon-Läuferin der Welt, schämt sich für ihre Landsleute: "In weniger als einem Jahr wollen wir die Welt willkommen heißen, im Moment will die Welt aber nicht zu uns kommen."

Fast 700 Millionen Euro hat das lokale Organisationskomitee für den Posten Sicherheit veranschlagt. Coe hatte damit geprahlt, dass die britische Polizei bekannt dafür sei, bei Vorfällen "freundlich und diskret" einzugreifen. Aber nach den Zwischenfällen müsse das Sicherheitskonzept noch einmal Thema werden. Die britische Siebenkämpferin Kelly Sotherton schimpfte: "Bringt die Armee. Wie zum Teufel soll denn die Polizei mit all dem klarkommen?"

Maierhofer, der am Mittwoch für einen Zahnarztbesuch nach Österreich kam, ist von der Gewalt geschockt: "In Birmingham gibt es zwei große Einkaufszentren: das ,Bullring' und die ,Mailbox'. Dort treffe ich auch öfters die anderen Legionäre Paul Scharner und Andi Weimann. Und plötzlich sehe ich im TV, dass eines der Geschäfte, in dem ich noch am Montag einkaufen war, geplündert wird." Mittlerweile gibt es in Birmingham auch Tote. "Zumindest in Wolverhampton, wo ich wohne, ist es noch ziemlich ruhig geblieben", sagt Maierhofer.

Ob Wolverhampton am Samstag überhaupt zum geplanten Ligaauftakt nach Blackburn reisen wird, weiß der Teamstürmer, der für das Länderspiel gegen die Slowakei auf Abruf nominiert wurde, noch nicht.

Fußball-Absagen

Vier Spiele der ersten Liga-Cup-Runde wurden jedenfalls abgesagt. Ebenso die Länderspiele England - Niederlande und Ghana - Nigeria in Watford. Am Donnerstag soll über den Auftakt der Liga entschieden werden. "Mit den Informationen, die uns derzeit zur Verfügung stehen, gibt es keinen Grund, dass Spiele außerhalb Londons betroffen sein könnten. Wir sind alle durch die jüngsten Ereignisse und ihre Auswirkungen schockiert", ließ die Liga am Mittwoch verlauten, die in Kontakt mit der Polizei steht.

Der Niederländer Rafael van der Vaart soll am Samstag mit Tottenham, wo die Gewalt ihren Ursprung nahm, gegen Everton spielen. "Ich bleibe der Gegend um unser Stadion derzeit fern. Ich bin unglaublich geschockt von den Bildern", sagt der 28-Jährige, der nicht an ein programmgemäßes Spiel glaubt. Maierhofer meint: "Wenn mehrere Spiele aus Sicherheitsgründen wackeln, wird die ganze Runde verschoben werden."

London 2012: 302 Wettkämpfe in 26 Sportarten: 162 für Herren, 132 für Damen sowie acht gemischte Bewerbe. Die meisten der 34 Wettkampforte befinden sich in drei Zonen in der Stadt (Olympic, River und Central Zone), darunter sind der Hyde Park, Wimbledon oder das Wembley-Stadion. In Stratford entsteht der 200 Hektar große Olympiapark. Zusätzlich gibt es einige Wettkampfanlagen außerhalb Londons wie die National Sailing Academy an der britischen Südküste.

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Erstellt am 05.12.2011