Chronik | Welt
26.07.2017

Deutschland ertrinkt, Italien verdurstet, Frankreich verbrennt

Für Experten ist das Wechselspiel der Extreme auf den Klimawandel zurückzuführen.

Nach wochenlanger Dürre lassen sich die Waldbrände in Italien, Portugal und Südfrankreich kaum unter Kontrolle bringen. Am Mittwoch bedankte sich die großherzogliche Familie von Luxemburg ganz offiziell für ihre Rettung aus ihrer Sommerresidenz in Südfrankreich bei Hyères. Zehntausend Menschen mussten dort ihre Häuser verlassen. An der Adria verwüsteten starke Hagelschauer ganze Landstriche.

Doch das Wetterchaos beschränkt sich nicht nur auf Europa: Santiago de Chile ist untypischerweise schneebedeckt, die aktuelle Kältewelle forderte in Südamerika bereits Todesopfer.

Nach mehrtägigen Schauern ist der Boden im deutschen Kassel so aufgeweicht, dass Bäume umfielen. Im Raum Goslar musste Katastrophenalarm gegeben werden. Das Berliner Kanalsystem kann das Wasser nicht mehr aufnehmen, das führte zu Überschwemmungen in Tegel.

Entweder ist der Sommer zu heiß oder zu nass. Dieser ständige Wechsel der Extreme wird nach Ansicht von Potsdamer Klimaforschern das neue "Normal".

"Unwetter-Potenzial"

Auf lange Trocken- und Hitzephasen folgen Stark- und Dauerregen. "Es gibt erste Hinweise, dass der Klimawandel nicht nur die Temperaturen allmählich steigen lässt", sagte Klimaforscher Peter Hoffmann. Das sei schon einige Zeit zu beobachten. Da sich die Arktis stärker erwärme als der Rest der Welt, verändere das auch die Zirkulation in der Atmosphäre. "Ein häufiger Wechsel von Wetterlagen mit Unwetterpotenzial könnte die Folge sein", sagte Hoffmann. "Es bleibt nur übrig, sich auf ein Wechselspiele der Extreme einzustellen."

Leichter gesagt als getan. In Rom wird ab Freitag das Wasser rationiert, ab Montag wird die Wasserentnahme aus dem Po eingeschränkt. Ziel ist es, dass der 652 km lange Fluss einen Wasserpegel bewahrt, der die Versorgung der Provinzen Ferrara und Ravenna decken kann. Einige Gemeinden in Berggebieten um Piacenza, Parma und Bologna mussten wegen der Dürre mit Wasser-Tanklastern versorgt werden.

Übrigens grenzt das Anwesen der großherzoglichen Familie aus Luxemburg an die Sommerresidenz des französischen Staatspräsidenten in Fort de Brégançon.