Anton Schlecker, 72, (Mitte, mit seinen Anwälten) musste 2012 Insolvenz anmelden

© APA/AFP/THOMAS KIENZLE

Schlecker-Pleite
03/13/2017

267.000 Euro für Alarmanlage bei der Tochter

Der ehemalige Drogeriekönig und seine Familie sollen 25 Millionen beiseite geschafft haben.

von Susanne Bobek

Am zweiten Prozesstag kämpft Anton Schlecker mit den Tränen. Er verliest eine vorbereitete Erklärung und weist alle Anschuldigungen gegen sich und seine Familie zurück. Eine Stunde und drei Minuten benötigt er dazu. Zu seinen besten Zeiten hatte der Einzelhandelskaufmann aus Ehingen in Baden-Württemberg 14.000 Geschäfte in 17 Ländern Europas mit 55.000 Mitarbeitern.

"Ich hätte über Jahrzehnte hinweg sehr viel Geld in Sicherheit bringen können", sagt Anton Schlecker. "Die Insolvenz war unvorstellbar für mich." Man könne das aus heutiger als "verbohrt" und "objektiv falsch" ansehen. Aber man müsse sich schon in seine damalige Situation hineinversetzen: "Für mich gab es kein unternehmerisches Scheitern", sagt er.

Geldgeschenke und andere Zahlungen, mit denen er vor der Insolvenz Kinder und Enkel unterstützt habe, stünden in keinem Zusammenhang mit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit, beschrieb Schlecker. So sei die von der Anklage aufgelistete Reise für 50.000 Euro der Kinder als jährliche gemeinsame Familienreise geplant gewesen, die 800.000 Euro für seine vier Enkel habe er erst auf Drängen seiner Familie gegeben und der Einbau einer Alarmanlage im Wert von 267.000 Euro im Haus seiner Tochter Meike sei eine Reaktion auf die traumatische Erfahrung der Entführung seiner beiden Kinder in den 1990er-Jahren gewesen.

Sein Handeln sei nicht von dem Motiv getragen gewesen, Vermögen zu beseitigen, Gläubiger zu benachteiligen oder eine Straftat zu begehen, beteuerte Schlecker.

Mit auf der Anklagebank sitzen seine Frau Christa und seine beiden Kinder Meike und Lars. Bei ihnen geht es um Beihilfe zum Bankrott. Schleckers Sohn und Tochter sind als ehemalige Gesellschafter der für Schlecker arbeitenden Logistikgesellschaft LDG, die unter anderem für den Schlecker-Onlineshop zuständig war, wegen Insolvenzverschleppung und Untreue angeklagt. Christa, Meike und Lars Schlecker machten am Montag lediglich persönliche Angaben, äußerten sich aber weder zur Anklage noch zu ihren finanziellen Verhältnissen.

Darüber hinaus sind zwei Wirtschaftsprüfer angeklagt. Der Prozess wird am kommenden Montag (20. März) fortgesetzt.

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