In this November 2011 photo, then Fukushima Dai-ichi nuclear power plant chief Masao Yoshida speaks at the plant in Okuma town, Fukushima Prefecture, northeastern Japan. Yoshida, who led efforts to stabilize the crippled nuclear power plant, after it was hit by the March 11, 2011 earthquake and tsunami, died of cancer of the esophagus Tuesday morning, July 9, 2013, Tokyo Electric Power Co. said. He was 58. (AP Photo/Kyodo News) JAPAN OUT, MANDATORY CREDIT

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Atomkatastrophe
07/10/2013

Der Held von Fukushima ist tot

Der Chefingenieur behielt nach dem Tsunami als Einziger einen kühlen Kopf.

von Susanne Bobek

Japan trauert um Masao Yoshida, den Krisenmanager des havarierten Atomkraftwerks, der mit seinen treuesten Arbeitern eine vermutlich noch schlimmere Katastrophe verhindern konnte. Der 58-jährige Vater dreier Söhne litt an Kehlkopfkrebs, im Vorjahr hatte er einen Schlaganfall. Seine Krankheit, die ihn Ende 2011 in den Ruhestand zwang, stand nie im Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe, sagt der Energiekonzern Tepco. Dazu sei sie „zu schnell“ eingetreten.

Yoshida war Chef des AKW Fukushima, als die Katastrophe am Morgen des 11. März 2011 hereinbrach. Nach dem Erdbeben und Tsunami musste der Ingenieur unter chaotischen Bedingungen die ersten Notmaßnahmen koordinieren.

Yoshida harrte im Bunker aus

„Er musste die Entscheidung treffen, welche Arbeiter das Atomkraftwerk verlassen durften und welche bei ihm bleiben und helfen sollten. Das war vielleicht eine der schwersten Entscheidungen seines Lebens“, sagte Tatsujiro Suzuki von der japanischen Atomaufsicht. Der Ingenieur hielt in einem Bunker die Stellung und ignorierte die Anweisung des damaligen Premiers Naoto Kan, kein Meerwasser mehr in die havarierten Meiler zu pumpen. Er pumpte weiter und sorgte so dafür, dass die Brennstäbe gekühlt wurden. Die Reaktorschmelze konnte er aber nicht verhindern. Später räumte Tepco ein, dass er richtig gehandelt hatte. „Ohne Yoshida wäre die Katastrophe noch viel schlimmer“, sagte Reiko Hachisuka, der zu der Gruppe gehörte, die den Super-GAU genauer untersuchte. Yoshida wusste, so sagt Hachisuka, welche Risiken er und seine Arbeiter eingegangen waren und dass schwere gesundheitliche Schäden die Folge sein würden. Er wurde für seinen Einsatz ausgezeichnet und zählte zu den „50 Helden von Fukushima“, deren Chef er war.

So habe er auch angeboten, zusammen mit älteren Kraftwerksangestellten weiterzuarbeiten – obwohl das sein sicheres Todesurteil gewesen wäre. Davon konnte er abgehalten werden. Dafür wurden dann andere Arbeiter eingesetzt, die regelmäßig ausgetauscht wurden.

In einem Interview über die ersten kritischen Stunden sagte er: „Es gab mehrere Situationen, in denen ich dachte, wir würden hier alle sterben. Ich fürchtete, die Anlage würde außer Kontrolle geraten.“

Yoshida hatte laut New York Times später eingeräumt, er habe unterschätzt, wie schwer ein Tsunami das an der Küste gelegene Kraftwerk treffen könnte. Ihm war vorgeworfen worden, keine geeigneten Präventionsmaßnahmen ergriffen zu haben. Doch Yoshida war erst 2010 zum Chef ernannt worden.

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