FILE - In this April 28, 2009 file photo provided then by the Vatican newspaper L'Osservatore Romano, Pope Benedict XVI stands by the salvaged remains of Pope Celestine V, in the 13th-century Santa Maria di Collemaggio Basilica, the symbol of the city of L'Aquila, whose roof partially caved in during the quake. Benedict XVI announced Monday, Feb. 11, 2013 that he would resign on Feb. 28 because he was simply too infirm to carry on - the first pontiff to do so in nearly 600 years. The decision sets the stage for a conclave to elect a new pope before the end of March. Pope Celestine V, the 13th-century hermit and saint, was one of the earlier popes to resign. (AP Photo/L'Osservatore Romano, file)

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Kirchengeschichte
02/11/2013

Der einzige Papst, der bisher freiwillig zurücktrat

Cölestin V.: Er hasste die sexuelle Gier der Bischöfe.

von Georg Markus

Er war so ziemlich das Gegenteil des bisherigen Papstes. Cölestin V. war ein menschenscheuer Einsiedler, der nie Papst werden wollte. Als sein Vorgänger, Nikolaus IV., im Jahre 1292 verstorben war, blieb der Stuhl Petri aufgrund einer in Rom grassierenden Pestepidemie und weil man sich im Konklave auf keinen Nachfolger einigen konnte, zwei Jahre lang führungslos.

Am 5. Juli 1294 wählten die Kardinäle endlich den fast 80-jährigen Eremiten Pietro del Murrone, der Jahrzehnte in völliger Abgeschiedenheit in einer Höhle in den Abruzzen gelebt hatte, zum Papst.

Lasterhafter Vatikan

Der von seiner Wahl total überrumpelte Einsiedler wurde sofort und gegen seinen Willen nach Rom gebracht und als Cölestin V. zum Papst gekrönt. Er übersiedelte aber, da er das lasterhafte Treiben im Vatikan nicht ertrug, nach Neapel.

Cölestin V. war einer der honorigsten, aber auch einer der naivsten Päpste. Kaum gekrönt, begann er, das Vermögen der Kirche an Arme zu verschenken. Die korrupten Kardinäle erkannten, dass sie eine Wahl getroffen hatten, die ihren Interessen widersprach. Außerdem wäre der Vatikan, hätte Cölestin das Geld weiterhin so großzügig verteilt, bald pleitegegangen.

Nun kam der Augenblick, in dem Kardinal Benedetto Caetani die Chance seines Lebens sah. Er erschlich sich das Vertrauen des Papstes und ging dabei so weit, ihm in der Zimmerflucht seines Palastes eine bescheidene Holzhütte aufzustellen, damit der alte Eremit sich „wie zu Hause“ fühlen konnte.

Der Papst verzweifelte jedoch an seinem Amt, da ihm das korrupte Verhalten und die sexuelle Gier der Bischöfe fremd waren. Er rief, wenige Monate nach seiner Weihe, die Kardinäle zusammen und beschwor sie, ihre Mätressen zu entlassen. Dann legte er das Papstgewand ab und trat freiwillig zurück. Als erster und bis gestern einziger Papst der Kirchengeschichte.

Der intrigante Caetani, der den Coup mit großem Geschickt eingefädelt hatte, verstand es nun, sich als Bonifatius VIII. zum neuen Papst wählen zu lassen.

Der gute Cölestin V., der inzwischen auf einem Esel in seine Eremitage zurückgeritten war, wurde von seinem Nachfolger (weil er eine Spaltung der Kirche befürchtete) nach Rom geholt und in Haft genommen. Er starb zwei Jahre später, angeblich durch einen Mordanschlag im Auftrag des Papstes. Obwohl es keinen Beweis gibt, wurde Cölestin zum Märtyrer.

Beide haben Kirchengeschichte geschrieben: Bonifatius VIII. durch korruptes Verhalten und sexuelle Eskapaden. Und Cölestin V. wurde 1313 heiliggesprochen.

Es gab neben Cölestin V. wohl auch Päpste, die zurücktraten – aber nie freiwillig. Der bekannteste Fall war der Gregors XII., der 1415 während des Konzils von Konstanz im Streit mit seinen Gegenpäpsten zum Rücktritt gezwungen wurde.