Chronik | Welt
03.11.2017

Butter ist in Frankreich nach sturem Preiskampf Mangelware

Acht Kilo Butter isst der Franzose pro Jahr. Doch weil sich Milchkooperativen und Handelsketten in einen Preiskrieg verstrickten, sind die Regale oft leer.

Die Franzosen sind Weltmeister im Pro-Kopf-Verbrauch von Butter. Acht Kilo pro Kopf gegenüber 5,3 Kilo in Österreich (2016). Seit der Freigabe der europäischen Milchquote 2015 liefern sich Bauern, Molkereien, Milchindustrie und Handelsketten eine Preisschlacht.

Zunächst entstand eine Milchschwemme, die zu einer starken Produktionsdrosselung führte. Überall zogen daraufhin die Butterpreise an. Aber in Frankreich weigerten sich die Handelsketten mehr zu bezahlen. Daraufhin entschieden sich viele Milchkooperativen, französische Butter in die Wachstumsmärkte Japan und China zu exportieren, weil sie dort fette Gewinne erzielen können. Seit Anfang des Jahres legten die Butterexporte um fast 50 Prozent zu. Der Preis für eine Tonne Butter kletterte zwischen April 2016 und Oktober 2017 von 2500 Euro auf 6500 Euro. Pro Kilo braucht man 22 Liter Milch.

Die gestiegene Nachfrage wird übrigens auch damit erklärt, dass Ernährungsexperten nicht mehr vor dem "schlechten Cholesterin" warnen, sondern dem natürlichen Fett der Butter eine heilende Wirkung zuschreiben.

Angst vor Knappheit

Die Franzosen hamstern seit Wochen Butter und frieren sie ein. Innerhalb einer Oktoberwoche zog die Nachfrage um fast 20 Prozent an, womit die Regale gleich wieder leer waren.

"Es ist nur die Angst vor der Knappheit, die die Knappheit schafft", beschwichtigte das Landwirtschaftsministerium. Doch die Lage ist ernst, denn mittlerweile mussten einige Unternehmen wegen des Buttermangels sogar die Produktion einstellen. Bei der Firma " François", die hochwertigen Blätter- und Mürbeteig herstellt, wurde ein Teil der Belegschaft vorübergehend arbeitslos gemeldet. "Das könnte uns umbringen", sagt Claude François, Chefin des Betriebes im Département Cher.

Landwirtschaftsminister Stéphane Travert will die Blockade zwischen verarbeitenden Betrieben und Einzelhandelsriesen aufbrechen. Ein Kompromiss scheint jetzt sogar in Sicht zu sein. Die großen Verbrauchermärkte wie Super-U, Intermarché oder Auchan haben sich darauf verständigt, die Preise für Butter um 10 bis 15 Prozent anzuheben. Leer ausgehen dürften dabei nur die Bauern: Von der teureren Butter im Supermarkt bleibt der Ankaufspreis für Milch so gut wie unbeeinflusst.