ABD0024_20180226 - MÜNCHEN - DEUTSCHLAND: 26.02.2018, Bayern, München: Claudia Schwarz, die in dem aufgelösten Birgitten-Kloster Altomünster lebt und dort Nonne werden will, steht im Landgericht München II vor einem Holzkreuz. Der Prozess um die letzte Bewohnerin im aufgelösten Kloster Altomünster und die Vollstreckung einer Räumungsklage der Erzdiözese München und Freising wird fortgesetzt. Foto: Lino Mirgeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. - FOTO: APA/dpa/Lino Mirgeler

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Bayern
03/14/2018

"Gott will, dass ich bleibe"

Juristin will Nonne werden und besetzt seit zwei Jahren ein aufgelöstes Kloster.

von Susanne Bobek

Am Montag hat die Erzdiözese München und Freising einen Etappensieg gegen die 39-jährige Claudia Schwarz errungen, die seit mehr als zwei Jahren das Jahrhunderte alte Nonnenkloster Altomünster besetzt, das die Kirche verkaufen will. Doch die ehemalige Anwältin, die Nonne werden will, denkt nicht daran, ihren Widerstand aufzugeben. Die tiefreligiöse Hausbesetzerin treibt Juristen zur Verzweiflung.

Dabei ist die Geschichte eigentlich tragisch. Denn die hochgebildete Claudia Schwarz entschied sich für einen Orden, den es so eigentlich gar nicht mehr gibt. Kloster Altomünster wurde im 15. Jahrhundert gegründet und war das einzige Kloster des alten Zweiges des Erlöserordens. Die Birgitten, wie sie heißen, waren mit gerade noch drei hochbetagten Schwestern in Deutschland vertreten als sich eine Nachwuchshoffnung bei ihnen meldete: Claudia Schwarz. Bis vor einem Jahr lebte sie mit ihrer Mutteroberin Apollonia Buchinger in den Gemäuern. Doch seit diese, auf Druck des Vatikans, ausgezogen ist, kann Schwarz nicht einmal mehr Nonne werden, da sie keine "geistliche Führung" hat, die nur in einer Gemeinschaft von mindestens drei Schwestern gegeben ist.

Geldstrafe oder Haft

Das Erzbistum kann nach dem Urteil nun eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe beantragen, um die 39-jährige zum Auszug zu zwingen. Doch Schwarz kündigte bereits Berufung an. In einem Vergleich sei 2017 vereinbart worden, dass sie bis zu einer endgültigen Entscheidung der Apostolischen Signatur in Rom über die Auflösung des Klosters in dem Kloster bleiben könne.

Schwarz hat Unterstützer in der kleinen Gemeinde im Landkreis Dachau. Denn dort fürchten einige, dass die alten Gemäuer verkommen oder einfach abgerissen werden könnten. Schwarz sieht es als "Auftrag und Plan Gottes, dass ich bleibe. Gott will, dass ich bleibe".

Für Claudia Schwarz kommt keine andere Ordensgemeinschaft als der Birgittenorden in Frage. Ihr Leben lang hätte sie danach gesucht und sich im Herbst 2014 entschlossen, nach Altomünster zu ziehen. Damals war sie auch noch offiziell Ordensanwärterin. Doch Ende 2015 löste der Vatikan per Dekret das Kloster auf, das daraufhin vom Erzbistum übernommen wurde.

Schwarz hat privat alle Brücken zu einem weltlichen Leben abgebrochen. Ihre Mutter ist aus Protest über ihren Schritt aus der Kirche ausgetreten, ihre Anwaltschefin hat ihre Kloster-Entscheidung "vom Hocker gehauen".

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