Cristina hat stets ihre Schuldlosigkeit im Finanzskandal beteuert. Das Gericht glaubte ihr nicht

© REUTERS/ALBERT GEA

Spanien
11/07/2014

Anklage gegen Infantin Cristina

Geldwäsche-Vorwurf fallen gelassen, aber Prozess wegen Steuerhinterziehung droht.

von Alexandra Uccusic

Schock für Infantin Cristina: Der Schwester des spanischen Königs droht eine Anklage wegen Steuerhinterziehung. Ein Gericht in Palma de Mallorca entschied am Freitag die Vorwürfe des Untersuchungsrichters Jose Castro wegen Verwicklung in einen Finanzskandal teilweise aufrechtzuerhalten.

Jose Castro hatte der 49-jährigen Cristina Steuerbetrug und Geldwäsche angelastet. Den Vorwurf der Geldwäsche ließ das Gericht nun fallen. Doch wegen Steuerhinterziehung dürfte der Ermittlungsrichter Anklage gegen Cristina erheben. Dann könnte es auch zum Prozess gegen die Infantin kommen.

Einspruch

Jose Castro hatte im Juni den Vorwurf bekräftigt, Cristina sei in die Korruptionsaffäre um ihren Mann Inaki Urdangarin verwickelt, und damit einem Prozess den Weg geebnet. Cristina legte Anfang Juli Einspruch gegen die Entscheidung ein. Ihr Anwalt zeigte sich zuversichtlich, dass alle Vorwürfe gegen die 49-Jährige fallen gelassen würden. Das zuständige Gericht in Palma de Mallorca sah das nun anders.

Urdangarin und einem ehemaligen Partner wird zur Last gelegt, über die gemeinnützige Noos-Stiftung sechs Millionen Euro aus der spanischen Staatskasse veruntreut und das Geld anschließend in der Firma Aizoon gewaschen zu haben. Bis 2006 war Cristina Mitglied im Direktorium der Stiftung. Außerdem gehört dem Ehepaar das Unternehmen Aizoon. Inaki Urdangarin war bereits 2013 wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung angeklagt worden.

Jose Castro hatte Cristina vorgeworfen, mit ihrem Mann "aktiv" zusammengearbeitet und einen Teil des veruntreuten Geldes für persönliche Zwecke ausgegeben zu haben. Dafür gebe es genug Beweise, heißt es in der 167 Seiten starken Gerichtsentscheidung. Das reiche von Parkscheinen über Luxusgeschirr, Tanzkurse und Kindergeburtstage bis hin zu einer Reise nach Rio de Janeiro. Cristina hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Die vierfache Mutter, die über einen Master-Abschluss in internationalen Beziehungen der New York University verfügt, war bei den Bürgern früher sehr beliebt. Die Noos-Affäre ließ ihre Popularität aber drastisch sinken. Sie trug neben anderen Faktoren auch zum Rücktritt von König Juan Carlos bei, und sie überschattete den Beginn der Regentschaft Felipes VI.

Felipe hat seit Bekanntwerden des Skandals zumindest öffentlich den Kontakt zu seinem Schwager und seiner Schwester abgebrochen; seit der Aufdeckung der Affäre spielt Cristina auch keine öffentliche Rolle mehr. Der Krönung ihres Bruders am 19. Juni blieb sie fern, und sie wird nicht mehr als offizielles Mitglied der Königsfamilie anerkannt.

Schadensbegrenzung

Der 46-jährige König bemüht sich um Schadensbegrenzung. Er versprach bei seinem Amtsantritt Mitte Juni, die Monarchie transparenter zu machen. Neue Regeln sollen das schlechte Image des Königshauses aufpolieren. Angehörigen der Königsfamilie ist es nun nicht mehr gestattet, privaten Geschäften nachzugehen. Dies betrifft auch Felipes Vater Juan Carlos und Königsmutter Sofia. Zudem erließ Felipe strenge Kriterien für Mitglieder der Königsfamilie, was die Geschenkannahme von Staatsgästen, Unternehmern oder anderen Einrichtungen betrifft.

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