Chronik | Welt
28.11.2018

Zeugnis gefälscht: Zehn Jahre Haft für griechische Putzfrau

Die Griechen sind über ein extrem hartes Urteil empört. Eine Renigungskraft hatte ihr Volksschulzeugnis gefälscht.

Ein lokales Gericht in der griechischen Stadt Volos hat eine 53-jährige Putzfrau zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie 15 Jahre lang ihre Arbeitspflichten ohne eine dafür erforderte Ausbildung erfüllt hatte. Um diesen Job an einem Kindergarten zu bekommen, fingierte die Frau bei der Einstellung ihr Grundschulzeugnis. Sie gab an sechs Jahre in die Schulegegangen zu sein. In Wahrheit waren es aber nur fünf. Der Betrug flog nach einer umfassenden Revision an staatlichen Einrichtungen im Jahre 2014 auf.

Die namentlich nicht genannte 53-jährige Griechin habe ihr Zeugnis korrigieren lassen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Anklageschrift. Der Prozess sorgte für viel Aufsehen in ganz Griechenland. Lokale Menschenrechtsorganisationen setzten sich für die Verurteilte ein und kritisierten die Entscheidung als "unmenschlich". In der kommenden Woche soll der Oberstaatsanwalt des griechischen obersten Gerichts die Urteilsbegründung prüfen.

Die Frau, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt und einen kranken Mann zu versorgen hat, hatte in ihren Bewerbungsunterlagen angegeben, die gesamten sechs Jahre Volksschulzeit absolviert zu haben - tatsächlich hatte sie die Schule aber nach fünf Jahren abgebrochen.

Nun sitzt die Frau im Gefängnis von Thiva in Zentralgriechenland in Haft. Der Protest gegen dieses Urteil ist groß - Regierung, Opposition, Menschenrechtsgruppen und Gewerkschafter in Griechenland empören sich öffentlich. "Die Entscheidung ist nicht nur inhuman", wird die griechische Liga für Menschenrechte" zitiert. "Sie ist ein weiteres Zeichen für die andauernden Schwächen in der Strafjustiz."