Chronik | Welt
31.12.2018

Zehn große und kleine Dinge, die die Welt 2018 besser gemacht haben

Wir haben Experten gefragt, was ihnen 2018 Hoffnung gegeben hat.

Obwohl Millionen Menschen sich jeden Tag darum kümmern, dass es anderen und der Welt im Allgemeinen besser geht, beleuchten die täglichen Nachrichten meist negative Ereignisse. Der KURIER hat zum Jahresrückblick zehn nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen gefragt, welche ihrer Erfolge und Ereignisse in ihrem Themengebiet, ihnen Freude und Hoffnung gemacht haben.

Blutspende-Bereitschaft sinkt dramatisch

Mit Solidarität gegen den Blutkrebs

Es sei unheimlich schwierig, passende Spender von Stammzellen zu finden, sagt der Präsident des Roten Kreuzes Gerald Schöpfer. Doch im November hätten sich nach einem Aufruf der Organisation innerhalb nur weniger Wochen 15.000 Menschen in Österreich angemeldet, um mit ihrer Blutspende auch den Kampf gegen den Blutkrebs aufzunehmen. "Das zeigt, dass Solidarität und Menschlichkeit immer noch einen hohen Stellenwert haben", freut sich Schöpfer

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170 Menschen können ihre Liebsten umarmen

Mit Kampagnen und öffentlichen Druck ist es Amnesty International gelungen, 170 Menschen in 18 Ländern aus unrechtmäßiger Haft zu befreien. "Das sind 170 Menschen, die endlich ihre Liebsten wieder in die Arme schließen und ihre wichtige Arbeit für ihre Communities fortführen können", sagt Annemarie Schlack, die Geschäftsführerin des Österreich-Zweiges. "Wir haben Druck auf Regierungen ausgeübt und so Dutzende menschenrechtsfeindliche Gesetze auf der ganzen Welt verhindert. Und wir haben Menschenrechtsverletzungen mit unseren Recherchen aufgedeckt – zum Beispiel in Myanmar und in Syrien."

Der Kampf um Menschenrechte sei wichtiger denn je, sagt sie. "Das Schöne ist: Immer mehr Menschen engagieren sich für ein Leben in Freiheit und Würde." In Österreich habe man mehr Unterstützer als je zuvor dazu bekommen.

Zwischen 0,5 Kilo und einer Revolution

Bei Ärzte ohne Grenzen (MSF) freut man sich über einen großen Moment: "Die erfolgreiche Entwicklung des neuen Medikaments Fexinidazol gegen Schlafkrankheit.

Die Schlafkrankheit galt lange als vernachlässigte Krankheit und führt unbehandelt zum Tod", sagt Österreich-Geschäftsführerin Laura Leyser. Diese Entwicklung einer Non-Profit-Organisation hat MSF selbst mit angestoßen. "Endlich können wir mit dieser neuen Pille unsere Patienten und Patientinnen effektiv, schnell und kostengünstig behandeln. Das ist eine echte Revolution.“

Kraft geben den Mitarbeitern der Organisation aber auch viele kleine positive Momente, sagt Leyser: "Zum Beispiel, wenn die kleine Farhd mit ihren drei Monaten nach kurzer Behandlungszeit in unserem Krankenhaus im Jemen statt 1,7 wieder 2,2 Kilo wiegt und wir wissen, dass sie ihre Mangelernährung überlebt hat, oder Nagham (4) ebendort ihre ersten Schritte unter Anleitung unserer Physiotherapeutin macht, nachdem sie bei einem Luftangriff schwer verletzt worden war."

Wo das Öl nicht sprudeln darf

Bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace freut man sich über das Verbot von Plastiksackerln in Österreich. Auf internationaler Ebene ist man besonders Stolz über den erfolgreichen Protest gegen Ölbohrungen des "französischen Ölgiganten Total" im Amazonas-Riff.  

„Die weltweiten Proteste von über zwei Millionen Umweltschützerinnen und Umweltschützern haben Wirkung gezeigt. Das Ölbohrverbot für Total bedeutet eine Verschnaufpause für das einzigartige Amazonas-Riff und die dort heimischen Lebewesen wie etwa Wale, Flussschildkröten und Korallen”, sagt der Greenpeace-Meeres-Experte Lukas Meus.

Mehr Kinder denn je dürfen in die Schule

Bei der Caritas schöpft man Mut aus "einem weltweit positiven Trend" im Bildungswesen. Birgit Ertl vom Kompetenzzentrum für Kinder und Jugend erklärt: Zwar könnten 263 Mio. Kinder derzeit keine Schule besuchen, aber gleichzeitig "hatten noch nie so viele Kinder – vor allem Mädchen - die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und zu lernen, wie im Jahr 2018. Ein Mädchen, das heute auf die Welt kommt, hat weitaus größere Chancen, ein glückliches Leben zu führen, als noch vor einem Jahrzehnt.

10.000 Kinder in Bulgarien, Serbien, der Ukraine, Armenien, Jordanien und im Libanon betreut die Caritas in ihren Projekte selbst. "Wir sind stolz darauf, dass wir Kindern den sicheren Weg in die Schule ermöglichen und ihnen ein warmes Mittagessen bieten können", sagt Ertl

Nach 20 Jahren: Frieden

Wenn ein Konflikt nach zwei Jahrzehnten endet, ist das natürlich ein Grund zur Freude. Für Jan Egeland, den Generalsekretär der NRC Flüchtlingshilfe, war das "Friedensabkommen zwischen Äthiopien und Eritrea eine positive Überraschung". Und man könne bereits die Früchte des Friedens sehen. "Auf das Abkommen folgte eine Wiedereröffnung der Grenze, wodurch Familien, die durch den Konflikt bis zu 20 Jahre lang voneinander getrennt waren, wieder zusammenkamen", sagt Egeland. "Als Organisation, die Menschen hilft, die durch Kriege und Konflikte vertrieben wurden, werden wir laufend an den hohen Tribut erinnert, den ein Krieg fordert – und an die dringende Notwendigkeit politischer Lösungen."

UN Secretary General Ban Ki-Moon addresses the Annual Conference of Swiss Developement Cooperation in Zurich

Verbesserung durch Daten und Outdoorjacken

Wolfgang Marks von der AG Globale Verantwortung sagt: "Wer eine gute Zukunft für Österreich will, muss die Welt im Blick haben und Menschenrechte fördern. Viele Menschen auf der ganzen Welt strengen sich täglich an, unseren kleinen blauen Planeten und seinen BewohnerInnen eine gute Zukunft zu ermöglichen".

Seine Organisation hat in ihrem Magazin "16 gute Beispiele dafür aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft" gesammelt. Eines davon: Wie eine Dateninitiative namens "DataShift" auch in Entwicklungsländern wie Nepal, Kenia und Tansania dafür sorgt, dass Probleme wie unbezahlte Hausarbeit von Frauen, Frauen in Sklaverei und die Verbesserung des Zugangs zu öffentlichen Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung in Angriff genommen werden können.

Ein anderes: Wie ein Hersteller von Outdoor-Produkten nachhaltigere Produkte und nachhaltigeren Konsum bewirbt. Bei der AG Globale Verantwortung selbst habe 2018 "43 junge Erwachsene ausgebildet, die andere Menschen motivieren, sich für ein gutes Leben für alle einzusetzen".

GERMANY-TURKEY-JOURNALIST

Ein freier Mann

"Nirgends sitzen so viele Journalisten im Gefängnis wie in der Türkei", sagt Rubina Möhring, die Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. Einer von ihnen kam im Februar aber frei. Dem deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel wurde dort sein Journalismus als "Terrorpropaganda" vorgeworfen, er saß dafür ein Jahr in Haft. "Dieser Erfolg zeigt, dass es mit genug öffentlichem Druck möglich ist, etwas zu erreichen – hoffentlich bald auch für die unzähligen anderen bedrohten und inhaftierten Journalisten in der Türkei und der ganzen Welt“, sagt Möhring.

Der Amazonas in Europa

Beim World Wide Fund For Nature (WWF) hat man 2018 einen Umweltschutz-Erfolg in Österreich gefeiert. "Im September nominierte die Steiermark wertvolle Auen der Grenzmur zwischen Spielfeld und Bad Radkersburg für die Aufnahme in das weltweite Netzwerk der Biosphärenparke", sagt Pressesprecherin Claudia Mohl.

„Die österreichische Murregion fügt sich somit als letzter Puzzleteil in ein internationales Vorzeigeprojekt ein, in dem Naturschutz und sanfter Tourismus Hand in Hand gehen sollen."

Das länderübergreifende Projekt an Mur, Drau und Donau wachse auf Initiative des WWF seit 15 Jahren: "Am so genannten 'Amazonas Europas' soll das größte Flussschutzgebiet des Kontinents und weltweit erste Biosphärenpark realisiert werden. Mit der Initiative der Steiermark ist dieses Ziel nun in greifbare Nähe gerückt."

Mit Gemeinden gegen die Korruption

Transparency International setzt sich weltweit gegen Korruption ein. In Österreich gehört zu diesem Kampf der Einsatz für mehr Transparenz. Das sei "ein Marathonlauf", sagt Eva Geiblinger, Vorstandsvorsitzende des Österreich-Ablegers. Aber dabei seien 2018 Fortschritte gelungen: "Wir haben die Websites der 50 größten Gemeinden Österreichs auf Transparenz gegenüber dem Bürger abgeklopft." Das sei anfangs auf Skepsis einiger Gemeinden gestoßen, die aber mittlerweile nach einem veröffentlichten Bericht "einem proaktiven Interesse gewichen" sei: "Das sehen wir als großen Erfolg auf dem Weg zu einer transparenteren Zivilgesellschaft."