Wenn Kim Jong-un lacht, lachen auch alle anderen

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Chronik Welt
08/21/2019

Wie Kim vom Luxusbengel zum bestialischen Diktator wurde

Nordkoreas Tyrann Kim Jong-un gilt als brutaler als sein Großvater und Vater. Von klein auf bekam er, was er wollte.

von Susanne Bobek

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Eigentlich hätte Kim Jong-un gar nicht Diktator werden sollen. Dafür war sein großer Halbbruder, der 2017 mit Gift ermordete Kim Jong-nam, vorgesehen. Doch der machte einen schweren Fehler: Er flog mit Frau und Sohn heimlich nach Japan, weil er sich Tokio Disney ansehen wollte.

Die Peking-Korrespondentin der Washington Post Anna Fifield (43) hat eine Biografie über den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un geschrieben. Der inzwischen 35-jährige „Oberste Führer“ gilt als einer der gefährlichsten Männer der Welt. In den vergangenen Wochen provozierte er Donald Trump mit sechs Raketentests.

Der „kleine Raketenmann“ (© Trump) besaß bereits mit sieben Jahren ein für seine Größe umgebautes Auto. Er hatte Super-Mario-Video-Spiele, ein Kino, in dem er Hollywoodfilme sah, Lehrer, Trainer, Leibwächter, Chauffeure. Im Alter von elf bekam er seinen ersten Colt 45, den er wie ein Cowboy um die Hüfte trug. Und er wurde mit Golfcarts oder Mopeds über das Anwesen im nur für die Elite zugänglichen Luxusbadeort Wonsan gefahren.

Anna Fifield sprach mit dem Sushi-Koch von Jong-uns Vater: Kenji Fujimoto. Er kannte Kim Jong-un schon, als er ein Kind war. Der Luxusbengel sei besessen gewesen von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen, erzählt er. Die zweite Leidenschaft des jetzigen Diktators: Basketball. Er liebte es, Spieler scharf zu kritisieren. „Er schien die Kunst der Befehle zu üben und genoss den Terror, den er durch seine absolute Autorität verbreiten konnte“, schreibt Fifield.

Mit 15 kam der Prinz nach Bern, dort bespuckte er andere, wenn er wütend war. Er war „der kurze Fette“ für seine Mitschüler, und nur der Schweizer Geheimdienst wusste, wer er wirklich war.

Als George W. Bush Nordkorea zur „Achse des Bösen“ rechnete, waren Jong-un und sein – nach Meinung des Vaters „weibischer“ – älterer Bruder aus Bern verschwunden. Tante und Onkel setzten sich in die US-Botschaft ab.

Angst verbreiten als Spaß

Zurück in Nordkorea besuchte Kim Jong-un die Militärakademie, und erst im September 2010 erfuhren die Untertanen überhaupt von seiner Existenz. Auf dem ersten offiziellen Foto wurde er gleich als ein Abbild seines Vaters gefeiert.

Im Dezember 2011 übernahm der damals 27 Jahre alte Kim nach seinem Großvater und nach seinem Vater die einzige kommunistische Erbherrschaft. Und schnell entpuppte sich der 1,60 Meter kleine Mann als der machthungrigste aller Kims. Onkel und Halbbruder wurden ermordet, sein „weibischer“ Bruder hält sich komplett aus der Öffentlichkeit fern.

Anna Fifield hat mit Onkel und Tante, dem Sushi-Koch der Familie und vielen Überläufern gesprochen, und sie war ein dutzend Mal in Nordkorea. Kim habe keinerlei Hemmungen, seine Untertanen hungern zu lassen, zu foltern, zu töten, Angst zu verbreiten. Kim nehme sich, was er will, angeblich auch jede Frau.