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Chronik Welt

Verdächtiger schweigt nach Messerattacke auf deutsche Mädchen

Der aus Eritrea stammende Mann liegt im Spital, weil er sich nach dem Angriff vermutlich selbst Verletzungen zufügte. Eines der Opfer ist tot, das zweite schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr.

12/06/2022, 01:47 PM | Aktualisiert am 12/06/2022, 03:19 PM

Nach dem tödlichen Schulweg-Angriff auf zwei Mädchen in Illerkirchberg bei Ulm schweigt der mutmaßliche Täter zu den Vorwürfen. Der aus Eritrea stammende, 27-jährige Mann berufe sich auf sein Aussageverweigerungsrecht, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm der Deutschen Presse-Agentur.

Er sei den Behörden bislang nie durch Gewaltdelikte aufgefallen und  lediglich einmal als Schwarzfahrer erwischt worden, hieß es.

Der Mann hatte am Montag zwei Mädchen auf dem Schulweg angegriffen und - vermutlich mit einem Messer - schwer verletzt. Eines der Opfer, eine 14-Jährige, starb später in der Klinik. Eine Obduktion der Leiche soll Hinweise auf die genaue Todesursache geben.

Erfahren, dass beste Freundin tot ist

Das andere, 13 Jahre alte Opfer sei medizinisch versorgt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Aber die psychische Lage des Mädchens sei schwierig. Es habe zwischenzeitlich erfahren, dass seine Freundin getötet worden sei.

Die 13-Jährige sei so schwer verletzt worden, dass in ihrem Fall gegebenenfalls auch der Verdacht des versuchten Mordes im Raum stehe.

Der Tatverdächtige sei nach wie vor mit erheblichen Verletzungen unter polizeilicher Bewachung im Krankenhaus und stundenlang operiert worden. Es gebe weiterhin keine Erkenntnisse zum Motiv.

Verminderte Schuldfähigkeit?

Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sie Haftbefehl beantragt oder ob es Anhaltspunkte für verminderte oder ausgeschlossene Schuldfähigkeit gibt, was gegebenenfalls eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik nach sich ziehen würde.

Derzeit lägen ihm keine Erkenntnisse einer psychischen Beeinträchtigung vor, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft am Vormittag.

Nach der Tat sei der Mann in eine Flüchtlingsunterkunft geflüchtet, aus der er vor dem Angriff auch gekommen sein soll. Dort waren den Angaben zufolge zwei weitere Männer aus Eritrea, die die Beamten mit zur Dienststelle nahmen. Ob sie Auskunft zum Geschehen und den möglichen Motiven des 27-Jährigen machen konnten, war zunächst noch unklar.

Die zwei Männer sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Der Verdacht gegen die beiden Männer habe sich nicht erhärtet, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein Messer sei als mutmaßliches Tatmittel sichergestellt worden und werde nun untersucht.

„Jetzt ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei, weshalb es zum Angriff auf die beiden Mädchen kam und ob der Tatverdächtige und die beiden Mädchen sich vorher kannten“, teilten die Behörden mit.

Politische Dimension

Die Tat, nach der eine der Angegriffenen starb, könnte eine politische Dimension bekommen, weil hier ein Asylbewerber als tatverdächtig gilt. Mehrere AfD-Politiker gingen darauf schon am Montag ein.

„Wir werden diese schlimme Tat restlos aufklären“, kündigte der baden-württembergische Innenminister und Vizeregierungschef Thomas Strobl an. Der CDU-Politiker besuchte am Dienstag  den Tatort.

„Dieses Ereignis darf kein Anlass und keine Rechtfertigung für Hass und Hetze sein“, sagte Strobl, betonte aber auch: „Der Täter muss mit aller Konsequenz bestraft werden. Das wird auch so geschehen.“.

"Schock für alle"

Das getötete Mädchen hatte die deutsche Staatsbürgerschaft und einen türkischen Migrationshintergrund, weshalb der türkische Botschafter Ahmet Basar Sen mit Strobl anreiste. Er forderte ebenfalls eine lückenlose Aufklärung des Angriffs. Die Tat habe die türkische Gemeinschaft stark verunsichert.

Der Botschafter hatte zuvor nach eigenen Angaben die Familie des gestorbenen Mädchens besucht. Er habe den Eltern die Anteilnahme der türkischen Gemeinschaft ausgesprochen, sagte Ahmet Basar Sen. Der Angriff sei ein Schock für alle.

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