Verschärfte US-Einreiseregeln könnten Fußball-Fans aus Österreich abschrecken
Langes Schlange Stehen bei der Ankunft - hier der Flughafen in Atlanta, USA
Die "Greater Miami and the Beaches Hotel Association", die jährlich Millionen Urlauber aus aller Welt begrüßt, hat große Sorgen: "Wir befürchten, dass die verschärften Einreisebestimmungen eine abschreckende Wirkung haben", heißt es in einem Blogeintrag des Verbandes. Urlauber könnten ebenso betroffen sein wie Geschäftsreisende, vor allem aber fürchten die Hotels, dass die neuen Regeln Fußballfans davon abhalten könnten, zur FIFA-Fußball-WM zu reisen - Miami ist auch ein Austragungsort.
Seit Montag, 9. Jänner, sind die neuen Regeln für Einreisen in die USA wirksam: Sie betrifft alle Österreicher, die mit einer ESTA-Bescheinigung in die Vereinigten Staaten reisen. ESTA ist die visumfreie Genehmigung für Touristen und Geschäftsreisende aus mehr als 40 Ländern, die zum Visa Waiver Program (VWP) zählen.
- Was ist neu? Abgesehen von den üblichen, digital zu beantwortenden Fragen müssen die Betroffenen für Reisen in die USA von nun an ihre Online-Aktivitäten über fünf Jahre offenlegen, lautet die Anordnung des US-Heimatschutzministeriums. Demnach sind Touristen verpflichtet, "ihre sozialen Medien der vergangenen fünf Jahre vorzulegen". Gemeint sind offenbar Nutzerkonten bei Plattformen wie X, Facebook oder Instagram etc...
- Zudem werden künftig noch mehr persönliche Daten abgefragt: wie etwa Telefonnummern des Reisenden der vergangenen fünf Jahre sowie die E-Mail-Adressen der vergangenen zehn Jahre.
- Darüber hinaus werden detaillierte Angaben zu Familienmitgliedern verlangt. Dazu zählen Geburtsdaten, Anschriften sowie Telefonnummern.
Stundenlanges Anstehen
Wie und wo diese Daten abgefragt werden, ist noch unklar. Groß ist jedenfalls die Sorge der US-Tourismusbetriebe, dass die neuen Regeln viele potenzielle Gäste abhalten könnten. Aber auch, dass die Warteschlangen an den US-Flughäfen bei der Einreise noch länger werden könnten.
Schon jetzt kommt es oft vor, dass die Ankommenden nach zehnstündigen Transatlantikflügen noch bis zu zwei, drei Stunden anstehen müssen, ehe sie die Zoll-und Grenzschutzbeamten durchwinken.
Wegen dieser Bedenken hat der Miami-Hotelverband noch einmal bei der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde nachgefragt und sich versichern lassen, wie der Verband in einem Blog schreibt: "Social-Media-Konten werden nicht auf Kommentare, Beiträge oder Aktivitäten überprüft, die Präsident Trump oder andere politische Führungskräfte kritisieren. Nutzernamen werden nur erfasst, um sie mit bereits vorhandenen, als geheim eingestuften Regierungsinformationen abzugleichen“, heißt es. Und, so schreiben die Miami Hotels frohen Mutes weiter: "Es wird nicht erwartet, dass diese Änderung die ESTA-Genehmigungen verlangsamt, die in der Regel 72 Stunden oder weniger dauern."
Flughafen von Newark
Doch wie es genau laufen wird, ist vorerst noch nicht bekannt. Reisebüros in Österreich warten noch auf die offizielle Erklärung der ESTA-Pressestelle.
Mit einer ESTA-Genehmigung können österreichische Staatsbürger ohne Visum für bis zu 90 Tage am Stück in die USA einreisen. Voraussetzung ist ein elektronischer Reisepass, der für die gesamte Dauer des Aufenthalts gültig ist. Einmal beantragt, ist die Esta-Genehmigung für zwei Jahre gültig, wobei mehrfache Einreisen möglich sind. Die Kosten betragen 40 Dollar (fast 34 Euro), auch für Kinder gilt der volle Preis.
Österreicher reisen weniger in die USA
Aber schon im Vorjahr hat sich der neue Kurs der Trump-Administration bei Reisen in die USA spürbar gemacht: Laut einem Bericht des Welttourismusrates verzeichnete die USA 2025 einen Rückgang der Ausgaben internationaler Besucher in Höhe von 12,5 Milliarden US-Dollar ( 10,5 Milliarden Euro).
Von den 184 vom Welttourismusrat analysierten Ländern war die USA im vergangenen Jahr das einzige, für das sich ein Rückgang der Ausgaben internationaler Besucher abzeichnete.
Und die verschärften ESTA-Regeln könnten diesen Trend noch verstärken: So könnten den USA nach derzeitigen Schätzungen bis zu 4,7 Millionen internationale Ankünfte entgehen, was einem Rückgang der Besucherzahlen aus ESTA-Ländern heuer um fast ein Viertel gegenüber 2025 entspräche.
Ein Bild dazu aus Österreich: "USA-Reisen sind 2025 um 20 Prozent zurückgegangen, und 2026 wird es nicht anders sein", schilderte vor kurzem Michele Fanton, Chef der Verkehrsbüro-Tochter Ruefa. In drei Jahren werde sich das Geschäft sogar halbiert haben.
Gloria Guevara, Präsidentin des Welttourismusrates, sagte gegenüber CNN, die vorgeschlagene Änderung könne die USA mehr als 150.000 Arbeitsplätze kosten.
Kommentare